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Praxisbeispiel: Gutes Beispiel in Haidach im Doppelpack

Cleveres Zusammenspiel

Foto und Text: (c) Bettina Krägenow

Foto und Text: (c) Bettina Krägenow

Kernstück der Heizungsanlage: der 800-Liter Energiespeicher

Erneuerbare Energien clever nutzen: Ein gutes Beispiel dafür findet man in Haidach (Gemeinde Eurasburg) gleich im Doppelpack. Anton Huber stattete sein vermietetes Mehrfamilienhaus mit einer Pelletsheizung und Solarthermie aus. Auch für sein eigenes Haus nutzt er geschickt regenerative Energien.

Das Einfamilienhaus

Bis ins Detail ausgetüftelt ist die Strom- und Wärmeversorgung in Anton Hubers eigenem Einfamilienhaus, das er zusammen mit seiner Frau bewohnt. Wie gut, dass der Haidacher beruflich in der Entwicklung tätig war und sich sein Interesse an Technik, Forschung und Entwicklung bewahrt hat. Als Rentner lebt er es jetzt im Bereich regenerative Energien und Nachhaltigkeit aus. Er nennt es sein „Hobbyforschungsgebiet“ und hat nicht nur die Heizungsanlagen ausgetüftelt. Weg von fossilen Brennstoffen: Dieses Ziel verfolgt Anton Huber, obwohl in seinem Keller noch eine Ölheizung mit einem 6000-Liter-Tank steht. „Weil die Ölheizung noch relativ jung ist und gute Werte liefert, wurde sie belassen“, sagt Anton Huber. In ein paar Jahren wird sie von einer Luft-Wasser-Wärmepumpe ersetzt.  So weit es möglich ist, nutzt er dennoch regenerative Energien zum Heizen und zur Stromversorgung: Seit Herbst 2016 erzeugt eine Solarthermie-Anlage Warmwasser mit Heizungsunterstützung. Unterstützend läuft eine Luftwärmepumpe im Wintergarten. „Wenn sie läuft, kann man die Zentralheizung deutlich reduzieren, weil es sonst zu warm wird“, so Anton Huber. Bei Sonnenschein heizt auch der Wintergarten mit etwa fünf Kilowatt Leistung.  Wenn diese beiden wetterabhängigen Wärmeerzeuger nicht arbeiten können, befeuert Anton Huber in der Heizperiode seinen wassergeführten Kachelofen. Die eine Hälfte der Heizleistung wird in den Raum abgegeben, die andere wird ins Heizsystem gespeist und erwärmt den Pufferspeicher im Keller.  Um den jährlichen Verbrauch des Kachelofens von drei bis vier Ster zu decken, verfeuert Anton Huber auch Leseholz. Sein Pedelec mit einer Ladekapazität 0,7 kW und einer Reichweite von rund 80 Kilometern nutzt er dank der selber gebauten Anhängerkupplung als Lastesel für diese und andere Fahrten. Im Garten helfen ihm zwei Regenwasserbecken mit einem Fassungsvermögen von jeweils sechs Kubikmetern zudem dabei, das kostbare Nass für die Gartenbewässerung zu aufzufangen. Und noch ein Tipp vom Tüftler: im Sommer die Heizkörper physisch zudrehen, sonst werden sie mit warmem Wasser aufgefüllt – was einen unnötigen Verbrauch darstellt. In der Kombination aller Maßnahmen hat es Anton Huber geschafft, den Heizölverbrauch auf circa 800 Liter im Jahr zu senken. Mit dem erzeugten Strom von circa 9000 kWh und der erzeugten Wärme von circa 5000 kWh kommt Anton Huber auf 14.000 kWh, was dem Verbrauch seines Einfamilienhauses entspricht  (siehe Stromrechnung).

Daten zum Einfamilienhaus:

Solarthermie

  • Baujahr Einfamilienhaus: 1984
  • Installation Solarthermie: August/September 2016
  • Fläche: 5 mal 2,5 Quadratmeter (Ausrichtung Süden)
  • Solarthermie: vorrangige Einspeisung in den Schichtkessel
  • Thermische Leistung bis April 2017: 534 Stunden mit 1,5 MWh
  • Thermische Leistung pro Jahr (erwartet): circa 5 MWh

Luftwärmepumpe im Wintergarten

  • Leistung: 5 kW
  • Aufnahmeleistung: 1,4 kW
  • durchschnittliche Jahresarbeitszahl (JAZ): 3 bis 5
  • Leistungsfähig bis 0°C

Kachelofen

  • Installation des ursprünglichen Kachelofens: 1984
  • Neuer Einsatz mit Warmwasserführung: 2016
  • Leistung: 15 kW (davon 7,5 kW Einspeisung ins Heizsystem und 7,5 kW in den Raum)
  • Im Vergleich zum Vorgängermodell: höhere Abbrandtemperatur mit 3- bis 4-maliger Ascheleerung pro Jahr
  • Verbrauch: 3 bis 4 Ster Holz im Jahr

Isolierung

  • Seit 2016: 3-fach-Isolierglas
  • Mauerwerk: 36-er Ziegel

Die Stromrechnung

Anton Huber nutzt die Sonnenenergie auch zur Stromerzeugung. Seit Oktober 2012 liefert eine 10-kWp-Photovoltaik-Anlage (PV) Strom für das Einfamilienhaus der Hubers. Seitdem führt der Tüftler jeden Monat genau Buch:

-   Wie viel Strom erzeugt die Anlage?

-   Wie viel Strom wird ans Netz geliefert?

-   Wie viel Strom musste vom Netzbetreiber bezogen werden?

-   Wie viel Strom wird im Haus verbraucht?

Diese Werte sind für die Berater der Energiewende Oberland (EWO) interessant, die sie bei Vorträgen sogar als Beispiel- und Vergleichsdaten heranziehen. Das erfreuliche Ergebnis der Stromrechnung: Das Haus von Anton Huber ist energieneutral. „Das bedeutet, dass es so viel Strom und Wärme erzeugt wie verbraucht wird. Energieautark, also von Netzbetreibern unabhängig, sind wir damit natürlich nicht. Die Verbrauchsmengen sind gerade im Winter höher als im Sommer. Dann ist aber der solare Energieeintrag geringer. Um mehr Strom selber nutzen zu können, bräuchte ich zum Beispiel ein E-Mobil, einen Stromspeicher oder wie geplant eine elektrische Wärmepumpe“, erklärt der Hausherr. Dazu ist zu sagen: Die verbrauchte Strommenge ist relativ wenig, weil das Haus gut isoliert ist, die Heizungspumpen sparsam sind, Energiesparlampen verwendet werden und neue Hausgeräte im Einsatz sind.

Daten zur Stromrechnung

Photovoltaik-Anlage

  • Inbetriebnahme: 4.10.2012
  • Leistung: 10 kWp
  • maximale Stromerzeugung: 6950 Watt bei Sonnenschein
  • Erzeugt seit 2012: 39.859 kWh
  • Einspeisevergütung: 18,9 Cent

 Aufgezeichnete Daten pro Monat:

-   Wie viel Strom erzeugt die Anlage?

-   Wie viel wird ans Netz geliefert?

-   Wie viel hat er vom Netzbetreiber beziehen müssen?

-   Wie viel Strom wird im Haus verbraucht?

Rechnung für 2016:

9248 kWh - erzeugter Strom

7996 kWh - eingespeister Strom                         

1841 kWh - vom Netzbetreiber bezogener Strom   

3093 kWh - im Haus verbrauchter Strom            

1252 kWh (13,44 Prozent) - vom insgesamt erzeugten Strom wurden selber genutzt

Unter Berücksichtigung der Solarthermie-Anlage (Rechnung für 2016):

9000 kWh - erzeugter Strom PV-Anlage

5000 kWh - thermische Leistung Solarthermie

Summe: 14.000 kWh

Energiebedarf des Einfamilienhauses

3000 kWh Strombedarf

8000 kWh Wärmebedarf (800 Liter Heizöl) Ölheizung

3000 kWh Wärmebedarf (3 Ster) Kachelofen

Summe: 14.000 kWh

Das Mehrfamilienhaus

Im vermieteten Mehrfamilienhaus wollte Anton Huber von der Ölheizung weg, da sie 25 Jahre alt war. „Nicht nur wegen des störenden Geruchs, sondern vor allem aus Gründen der Nachhaltigkeit haben wir für das Mehrfamilienhaus nach Alternativen gesucht“, sagt er. In dem Haus leben acht Personen in drei Parteien. Die 230 Quadratmeter Wohnfläche werden ausschließlich über Heizkörper beheizt. Im Sommer 2016 entschied sich der Haidacher dafür, die alte Ölheizung mit den drei Kunststofföltanks rauszuwerfen und eine Pelletheizung zu installieren. Dort, wo früher die Öltanks standen, ist jetzt der Pelletbunker zu finden. Die eingelagerte Menge reicht nach Einschätzung von Anton Huber für ein Jahr. Eine Solarthermie-Anlage unterstützt die Wärmeversorgung. Insgesamt werden mit der neuen Heizanlage etwa 4000 Liter Heizöl ersetzt. Bei den Umbauarbeiten achtete der Hausherr darauf, energiesparende Umwälzpumpen einzusetzen. „Die neuen Pumpen arbeiten auf Widerstand hin, also nicht permanent. Sie verbrauchen drei bis fünf Watt gegenüber den früheren Pumpen mit 70 Watt“, so Anton Huber. Wichtig war ihm auch, im Rahmen der Umbauarbeiten Anschlussmöglichkeiten für weitere Energieträger wie z.B. einen wassergeführten Kachelofen und eine PV-Anlage zu installieren.

Daten zum Mehrfamilienhaus

  • Mehrfamilienhaus Baujahr 1992
  • 230 Quadratmeter Wohnfläche
  • 3 Parteien mit derzeit 8 Personen
  • Installation Pelletheizung und Solarthermie: August/September 2016
  • Pelletbunker: 6 Tonnen Fassungsvermögen (Reichweite: 1 Jahr)
  • Heizleistung Pelletkessel: 20 kW
  • Ersetzte Heizölmenge: circa 4000 Liter im Jahr
  • Anschlussmöglichkeiten für weitere Energieträger wie z.B. einen wassergeführten Kachelofen sind vorhanden.
  • Pufferspeicher: 800 Liter (Wärmeverlust über 24 Stunden: 3 bis 4 °C)
  • Solarthermie: 5 mal 2,5 Quadratmeter große Paneele (Ausrichtung Westen)
  • Wasser-Enthärtungsanlage
  • Isolierung der Rohrleitungen