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Aktuelles von der Agenda 21 - Bürgerforum Otterfing

Aktuelles von der Agenda 21 - Bürgerforum Otterfing
Geothermie Holzkirchen

 Der Arbeitskreis LAWINE der Agenda21 besuchte am 10.08.2016 die Geothermieanlage Holzkirchen, um sich über die Konzeption und den bisherigen Betrieb der Anlage zu informieren. Wir wurden von Herrn Dipl-Ing. Kilian Beichel - dem zuständigen Geologen - empfangen, der uns über die Konzeption der Anlage, die geologischen Rahmenbedingungen und den derzeitigen Stand der Bohrungsaktivitäten informierte.

Im Prinzip wird das Geothermiekraftwerk in der Art eines Durchlauferhitzers als Kreislaufsystem funktionieren. Das im ersten Rohrstrang zugeführte Wasser wird sich dabei an den heißen Juragesteinsschichten auf eine Temperatur von ca. 150°C erhitzen, wird sodann hochgepumpt und gibt die Erdwärme über einen Wärmetauscher an einen Heizkreislauf ab. Im Winter dient das System überwiegend der Gebäudeheizung, im Sommer vorwiegend der Elektrizitätsgewinnung. Der elektrische Strom wird über eine Turbine mit angeschlossenem Generator gewonnen. Anschließend wird das abgekühlte Wasser über den zweiten Rohrstrang wieder in die Tiefe gepumpt und kann vom heißen Gestein erneut erhitzt werden. Es wird davon ausgegangen, daß mit der erreichten Wassertemperatur von 140 - 150°C eine Schüttungsrate von 80 Liter pro Sekunde erreicht wird. Dies entspricht einer Wärmemenge von ca. 50.000 Litern Heizöl/Tag. Diese Wärmemenge wird im Winter dem Fernwärmenetz Holzkirchen zugeführt. Die gewonnene elektrische Energie ist grundlastfähig, da sie unabhängig von Sonne oder Wind zur Verfügung steht.

Derzeit ist ein Bohrstrang mit einem Enddurchmesser von 155 mm fertiggestellt. Er erreicht eine Tiefe von ca. 5.000 m. Dies ist eine der tiefsten bisher durchgeführten Geothermiebohrungen in Deutschland. Wegen der geologischen Verhältnisse mußte in einer Tiefe von 3.600 m von der senkrechten in eine Schrägbohrung übergegangen werden. Das dazu notwendige Richtbohrsystem ist eine hochtechnologische Lösung, die nicht über Kabel sondern über aufmodulierte Steuerbefehle in der Bohrspüllösung durchgeführt wird. Der Neigungswinkel und die Richtung des Bohrers wurde laufend gesteuert und überwacht. Um die Bohrsohle in 5.000 m zu erreichen waren 4 Erdschichten mit wechselnden Durchmessern zu durchbohren. Die Bohrköpfe mußten entsprechend der mechanischen Schichtbedingungen und variierenden Durchmessern mehrmals hochgezogen und gewechselt werden. Derzeit wird am 2. Bohrstrang gearbeitet, der zusammen mit dem Kraftwerk 2017 im Betrieb gehen soll.

Nach der geologischen Einführung zeigte und erläuterte uns Herr Andreas Bull (Bohrfirma) die Bohreinrichtungen. Besonders beeindruckend war für uns hierbei das Teamwork zwischen Geologen und der Bohrmannschaft sowie die hochentwickelten Bohrtechnikkomponenten und die Effizienz des Bohrteams.

Sehr bedauerlich ist, daß der Umfang der Erdwärmegewinnung auf 2/3 reduziert werden mußte, da nicht ausreichend Wärmeabnehmer zur Verfügung standen.

Wir bedanken uns bei den beiden Herren herzlich für die kompetente Führung. Interessierten Otterfingern empfehlen wir einen Besuch der Anlage nach Voranmeldung unter Tel. 08024 9044-0 oder e-Mail info@gw-holzkirchen.de.