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Energiewende in Bad Wiessee: Gemeinde ist zum Handeln bereit

Prof. Dr. Wolfgang Seiler (EWO)

Prof. Dr. Wolfgang Seiler (EWO)

Bei der gemeinsamen Bürgerinformationsveranstaltung der Landkreisgruppe Miesbach der Energiewende Oberland (EWO) und der Gemeinde Bad Wiessee am 14. Juli im Hotelgasthof zur Post wurde schnell klar: Konkretes Handeln für eine Energiewende steht an. 1. Bürgermeister Peter Höß drückte es so aus: "Jetzt müssen wir es anpacken!".

Der Infoabend im Rahmen der Bayerischen Klimawoche war vor allem der Information und Motivation der Wiesseer Bürgerinnen und Bürger gewidmet. Mit dem Apell "Auf Ihr Engagement kommt es an", wandte sich Gruppensprecher Werner Schmid direkt an die anwesenden Besucher. Interessierte Zuhörer waren auch aus den Reihen des Gemeinderats gekommen.

In seinem Statement nannte Bürgermeister Peter Höß denn auch einige Maßnahmen, die die Gemeinde in nächster Zeit energisch angehen wird. So sollen beispielsweise alle älteren gemeindlichen Gebäude auf ihren baulichen und energetischen Zustand überprüft werden sowie neue Straßen mit energiesparenden LED-Leuchten ausgestattet werden. Gerade weil im Gemeindegebiet keine Windräder aufgestellt werden können, sei es wichtig, Energie zu sparen und die Effizienz zu verbessern, so Höß.

Der Vorstandsvorsitzende der EWO, Prof. Dr. Wolfgang Seiler, unterstrich in seinem Vortrag die Notwendigkeit einer Energiewende, die nicht auf eine bloße Stromwende reduziert werden dürfe. Die Verantwortung für die Folgen der Klimaerwärmung liege in besonderer Weise bei Industrieländern wie Deutschland und Großbritannien, weil diese in den letzten 120 Jahren sehr viel CO2 in die Atmosphäre gepustet haben. Der Landkreis Miesbach gebe jährlich ca. 250 Millionen Euro für Energiekosten aus, die bei regionaler Energieerzeugung als Wertschöpfung in der Region bleiben würden. Seiler gab einen Abriss über die Geschichte der Bürgerstiftung und erläuterte durchgeführte, laufende und geplante Projekte. Er stellte auch die Angebote für Kommunen und Bürger vor, wie etwa das Beratungsangebot des "Heißen Drahts" beim Energiekompetenzzentrum in Penzberg.

Wie Bürger sich bei Energiethemen organisieren und engagieren können, beschrieb der Energieexperte Paul Pallauf aus Otterfing am Beispiel der Bürgerbewegung LAWINE (Landwirtschaft, Natur, Energie). In einer eindrucksvollen Bilanz beschrieb er Aktionen des Bürgerengagements wie den jährlichen Energietag, Ausarbeitung und Auswertung eines Haushaltsfragebogens und schließlich die Erstellung eines Energieleitfadens für die Gemeinde. Auch die Aufstellung eines Energienutzungsplans geht auf die Initiative der LAWINE zurück.

Elisabeth Kohlhauf vom Energiekompetenzzentrum in Penzberg vermittelte anhand vieler Beispiele praxisnah, welche Einsparpotenziale sich im Haushalt erschließen. Sich bewusst machen, welche Tätigkeiten welchen Stromverbrauch zur Folge haben, sei ein wichtiger erster Schritt. Diesen könne jeder mit einem Energiemessgerät durchführen. So lassen sich vor allem Stromschleudern identifizieren. Der Reigen der behandelten Themen reichte von Verhaltenstipps (Kochen mit Deckel), über die Wahl der richtigen LED-Lampe bis zum Vorgehen beim Kauf energiesparender Haushaltsgeräte (empfehlenswerte Webseite www.ecotopten.de). Kohlhauf berichtete abschließend über laufende Aktionen wie die Betreuung von ausgewählten Haushalten in der Gemeinde Fischbachau auf dem Weg zu vorbildlichen Energiesparhashalten.

Paul Pallauf sprach dann noch das Thema Seewärmenutzung an. Anhand von Beispielen aus Zürich und St. Moritz zeigte er auf, dass bei Seen ein erhebliches Potenzial zur Beheizung und Kühlung von Gebäuden vorliegt. Dies griff Bürgermeister Peter Höß dahingehend auf, dass solche Möglichkeiten bei der Beplanung des Kurviertels und des Lederer-Areals geprüft werden.

In der Diskussion wurden u.a. Fragen zu Wärmepumpen, der Ökobilanz beim Austausch von Haushaltsgeräten und zur kontrollierten Be- und Entlüftung von Gebäuden gestellt und beantwortet.

Abschließend dankte Schmid den Referenten für ihre kompetenten Ausführungen und regte an, als Impuls der Veranstaltung mit Familienangehörigen, Freunden oder Nachbarn eine Wette abzuschließen, dass man es schaffe, innerhalb eines Jahres im eigenen Haushalt mindestens 5-10 % Strom einzusparen.