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Anmerkungen zum Pumpspeicherkraftwerk am Jochberg

500 Interessierte sind am 30.01.2014 in der Heimatbühne in Kochel versammelt und waren gespannt auf die Aussagen der Experten auf dem Podium

500 Interessierte sind am 30.01.2014 in der Heimatbühne in Kochel versammelt und waren gespannt auf die Aussagen der Experten auf dem Podium

1. Zunächst ist festzuhalten, dass die Energiewende mehr ist, als die derzeit diskutierte Stromwende, die nur einen kleinen -wenn auch wichtigen- Teil der Energiewende ausmacht. Der höchste Energieverbrauch erfolgt im Wärmebereich und im Verkehrsbereich. 

2. Die Energiewende ist ein komplexes und umfassendes Thema. Sie kann nur gelingen, wenn alle Möglichkeiten der Erzeugung, der Verteilung und Speicherung sowie der Nutzung von Energie im Rahmen einer Systembetrachtung berücksichtigt werden. Eine derartige Systemstudie mit einem klaren Aktionsplan (Masterplan) liegt derzeit aber noch nicht vor und ist der Grund für die derzeitige vielfach konfuse Diskussion bzgl. der erforderlichen Maßnahmen zur Erreichung der Energiewende.

3. Die Energiewende lässt sich nur über dezentrale intelligente Lösungsansätze zum Erfolg bringen. Im Strombereich spielen die erneuerbaren Energien und intelligente Netzwerke aus Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen eine zentrale Rolle, die durch den Eigenverbrauch und die Selbstvermarktung auf kommunaler/Interkommunaler Ebene weiter an Bedeutung gewinnt. Dadurch wird (i) das öffentliche Stromnetz entlastet, (ii) dem Bürger/In die Möglichkeit gegeben, sich an Bürgeranlagen zu beteiligen und finanziell zu profitieren und (iii) die Wertschöpfung in der Region zu stärken und die Zukunftsfähigkeit der Region zu sichern. 

4. Im Rahmen dieses Ansatzes leisten auch die Pumpspeicheranlagen (PSW) einen Beitrag zur Sicherstellung der Stromversorgung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass PSWs nicht Strom erzeugen, sondern nur zwischenspeichern und dieses auch nur über einen Zeitraum von wenigen Stunden.  Der dringend benötigte saisonale Ausgleich der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien zwischen Sommer und Winter kann mit Hilfe der PSWs nicht sichergestellt werden und erfordert andere Speichermöglichkeiten.

5. Pumpspeicherwerke werden für lange Zeiträume von über mehrere Generationen hinweg gebaut und sind mit hohen Kosten verbunden." Für das PSW Jochberg sind derzeit 700 Mio. € veranschlagt. Ein schneller Rückbau einer einmal gebauten PSW ist deshalb nicht möglich. Es stellt sich deshalb hier die Frage, ob der Ort und der Zeitpunkt für die Erstellung eines PSW am Jochberg richtig gewählt sind bzw. ob nicht andere, intelligentere Möglichkeiten einer Stromspeicherung bestehen. 

6. Gerade wegen der langen Bauzeit der PSWs von 15 - 20 Jahren und die rasante technologische Entwicklung im Bereich der Stromspeicherung muss zuerst die Frage bzgl. der dezentralen alternativen Lösungen bei der Stromspeicherung beantwortet werden, bevor mit der Planung bzw. Bau begonnen wird. Power to Gas ist eine von mehreren Möglichkeiten, bei der Überschuss-Strom durch chemische/physikalische Prozesse in Wasserstoff und/oder Methan überführt, langfristig gespeichert und für verschiedene Zwecke, u.a. auch im Verkehrsbereich, genutzt werden kann. Auf diese Weise lässt sich verhindern, dass der Weg zu intelligenten, dezentralen und bürgergerechten Lösungen verbaut und die bestehende Akzeptanz der Bürger/Innen für die Energiewende untergraben wird.  

7. Auch wegen der tiefen Eingriffe in das Landschaftsbild und in die Ökosysteme sollte der Bau von PSW am Jochberg gut überlegt sein und kritisch hinterfragt werden.

 

Prof. Dr. Wolfgang Seiler

Bürgerstiftung „Energiewende Oberland“