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Brandschutz und Energiewende - Experten aus dem Oberland informieren sich beim 4. Interkommunalen Energieforum

Die Teilnehmer des 4. Interkommunalen Energieforums. In der Mitte die Referenten (v.l.n.r.) Stefan Drexlmeier (EWO), Peter Scholtys (Maxit), Horst Thiem (Berufsfeuerwehr München), Dipl. Ing. Jürgen Wohlrab (Feuerwehrschule Geretsried)

Die Teilnehmer des 4. Interkommunalen Energieforums. In der Mitte die Referenten (v.l.n.r.) Stefan Drexlmeier (EWO), Peter Scholtys (Maxit), Horst Thiem (Berufsfeuerwehr München), Dipl. Ing. Jürgen Wohlrab (Feuerwehrschule Geretsried)

Polling-Oderding. Das Interkommunale Energieforum, welches nun bereits zum vierten Mal gemeinsam durch die Energiewende Oberland und dem EWO-Kompetenzzentrum Energie veranstaltet wurde, machte am 15.11.2013 im Landkreis Weilheim-Schongau in Polling-Oderding halt. Das Thema der Veranstaltung lautete "Brandschutz & Energiewende" und lockte knapp 30 Interessierte aus den drei Stifterlandkreisen an. Kompetente Experten aus den Bereichen Wärmedämmverbundsysteme, Biogas, Hackschnitzel und Photovoltaik präsentierten aus Ihrer Sicht, welche Aspekte bei der Gefahrenabwehr von Erneuerbaren Energie Anlagen zu beachten sind und hatten handfeste Praxistipps für die anwesenden politischen Entscheidungsträger, Vertreter der Landratsämter und Kommunen und aktive Feuerwehrmitglieder parat. 

Nach einem Grußwort durch Bürgermeister Böhm (Polling-Oderding) machte Peter Scholtys von der Firma Maxit den Auftakt der Vortragsreihe. Als Praxiskenner stellte er baurechtliche Grundlagen, Baustoffklassen und die verschiedenen Anwendungsbereiche von Dämmstoffen vor. "Grundsätzlich ist der Verwendbarkeitsnachweis durch bauaufsichtliche Zulassungen geregelt", so Scholtys, "jedoch können Mischsysteme zum Verlust der Zulassung führen!". Entwarnung gab Scholtys beispielsweise bei der Befürchtung eine Aussendämmung könne sich durch Leuchtraketen, Leuchtspurmunition oder Ähnlichem entzünden. In originalmaßstäblichen Versuchen konnten kein erhöhtes Gefährdungspotential festgestellt werden, da die Gegenstände von der Fassade einfach abprallten. 

Anschließend präsentierte Diplomingenieur Jürgen Wohlrab von der Feuerwehrschule in Geretsried seinen Vortrag mit dem Thema "Biogas, Hackschnitzel und Windkraft aus Sicht der Gefahrenabwehr". Wohlrab hatte ein paar hochspannende Bilder von Versuchen zur Brandgefahr von Biogas-Anlagen dabei. Beispielsweise prüfte der TÜV Süddeutschland im Jahr 2003 die Feuerwiderstandsfähigkeit von EPDM-Folien von Biogasanlagen. Die Tester waren äußerst kreativ und versuchten eine intakte Biogasanlage unter anderem mit einer brennenden Zigarette, einem "Chinakracher", einem glühenden Eisenrohr, einer brennenden Gartenfackel und einem benzingetränkten Lappen zu beschädigen und dokumentierten die Folgen. Während die Zigarette, der Chinakracher und eine glühende Eisenstange nicht einmal Schmauchspuren hinterließen, verursachte die brennende Gartenfakel nach ca. 1,5 Minuten ein ca. fünf Zentimeter großes Loch. Das austretende Biogas entzündete sich nicht wie erwartet in einer großen Explosion, sondern verbrannte gänzlich und kontrolliert innerhalb von zwei Minuten. "Schlimmer als die Brandgefahr von Biogasanlagen ist die vergleichsweise hohe Kontamination der Umgebung durch austretendes Gärmaterial.", erklärte Wohlrab. 

Den Abschluss der Veranstaltung bildete Horst Thiem, Brandamtsrat der Berufsfeuerwehr München, mit seinem Vortrag "Photovoltaik-Anlagen im Feuerwehreinsatz". Der Feuerwehr-Experte schilderte deutlich, welche Gefahren durch PV-Anlagen im Brandfall entstehen, welche Vorsichtsmaßnahmen die Feuerwehren unbedingt einhalten sollten und welchen Beitrag auch PV-Anlagen-Besitzer zum Brandschutz leisten können. "Beim Brandfall an einem Gebäude mit Photovoltaik-Anlagen können Gefahren durch Atemgifte und herabfallende Teile entstehen. Desweiteren ist bei Einsatz von Löschwasser ebenfalls die Gefahr eines elektrischen Schlags zu berücksichtigen", erklärte Thiem zu Beginn seiner Präsentation. Anlagenbetreibern rät der Experte regelmäßig die PV-Anlage durch einen qualifizierten Handwerker warten zu lassen, um eventuell über die Jahre aufgetretene Mängel frühzeitig zu erkennen und handeln zu können. 

Rundum sind die Organisatoren des Energieforums mit der Veranstaltung sehr zufrieden. "Wir möchten mit den Interkommunalen Energieforen politischen Entscheidungsträgern und Mitarbeitern von Kommunen neutrale Informationen von Experten an die Hand geben, so dass Energiewende-Projekte sachlich und fundiert in den verschiedenen Gremien diskutiert und abgewägt werden können", so Stefan Drexlmeier, Leiter der Geschäftsstelle der Energiewende Oberland. 

Das Resümee der Teilnehmer war ebenfalls eindeutig: Geballte Information von Experten, gewürzt mit einer Prise aus der Praxis zeichnen das Interkommunale Energieforum aus. 

Das nächste Interkommunale Energieforum ist für Frühjahr 2014 geplant.