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Gemeinden am Hofoldinger Forst informieren sich über einen Waldwindpark

©foto_Waltraud_Gruber

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Gemeinden am Hofoldinger Forst informieren sich über einen Waldwindpark

Im und am Hofoldinger Forst könnten in absehbarer Zeit Windparks entstehen. Deshalb sind Bürgermeister, Gemeinderäte und Bürger der Gemeinden Aying, Holzkirchen, Otterfing, Sauerlach, Valley, Warngau und Weyarn, sowie ein Mitarbeiter des E-Werk Tegernsee und Interessierte der Bürgerstiftung Energiewende Oberland - insgesamt fast 50 Energiewende-engagierte Personen - am Samstag, den 17.November nach Velburg (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) zum Waldwindpark Zieger gefahren.

Sie wollten sich informieren, wie solche Windparks ausschauen, wie sie funktionieren und betrieben werden. Nach Vorarbeit durch die Energiewende Oberland hat die Gemeinde Otterfing zu dieser Informationsfahrt eingeladen. Der Windpark wurde am späten Vormittag erreicht. Dieser optische Eindruck war uns wegen Nebel leider verwehrt, das Foto (©foto_Waltraud_Gruber) stammt von einem Besuch aus dem Landkreis Ebersberg im Oktober 2011.

Der Windpark Zieger ist nach dem umgebenden Waldstück benannt. Er besteht aus 5 großen Anlagen vom Typ Enercon E82 E2 mit einer Leistung von jeweils 2,3 MW, mit 138 Meter Nabenhöhe und 82 Meter Rotordurchmesser. Vor dem Fuß einer dieser großen Windenergieanlagen mit knapp 15 m Durchmesser auf ca. 600 m Meereshöhe hat Herr Bernhard Kraus, Bürgermeister von Velburg von seinen Erfahrungen berichtet.

Daraus einige wichtige Punkte. Vorausschauende Planung Die Gemeinde Velburg (www.velburg.de) ist eine Flächengemeinde mit ca. 120 km2 und 49 Ortsteilen. Das Gebiet auf der Höhe des oberpfälzischen Jura ist touristisch attraktiv und bei einer mittleren Windgeschwindigkeit von ca. 6m/sec für die Nutzung der Windenergie gut geeignet. Die Gemeinde und auch der Landkreis stellen sich ihrer Verantwortung für die Zukunft und stehen der Windenergie positiv gegenüber. Gerade deshalb ist im Interesse aller Bürger eine vorausschauende Planung besonders wichtig. Dazu gehört unbedingt die frühzeitige Information aller Bürger und die Möglichkeit vom Nutzen eines Projektes zu profitieren, entweder durch Bürgerbeteiligung am Stromertrag oder bei benötigten Grundstücken durch abgestufte Einbeziehung von umgebenden Grundstücken in Pachtzahlungen. Großzügige Abstände Es wurden Vorranggebiete ausgewiesen, welche von der Besiedlung ausreichend weit entfernt sind. Bei konkreten Projekten beträgt die Entfernung zur nächsten Besiedlung mindestens 1000 m und damit mehr als die vorgeschriebenen 600 m. Damit sind Störungen, insbesondere Schattenwurf, Stroboskopeffekte und Lärmbelästigung garantiert ausgeschlossen und für ein späteres Repowering von Windenergieanlagen ist noch Spielraum. Flächenverbrauch Eine Windenergieanlage erzeugt in Relation zur benötigten Grundfläche (hier 50 X 50 m) mindestens 30 mal mehr Energie als eine PV-Freiflächenanlage und 1.500 mal mehr Energie als energetisch genutzte Biomasse.

Der Windpark Zieger wird von „Energieallianz Bayern" betrieben, einer Gesellschaft von kommunalen, vorwiegend bayerischen Energieversorgern (www.energieallianz-bayern.de, unter Projekte findet man detaillierte Information zum Windpark Zieger). Wegen der skeptischen Haltung der Bürger war Bürgerbeteiligung bei den ersten Windenergieprojekten nicht möglich. Das hat sich nach Fukushima geändert. Für weitere Projekte des Landkreises mit regenerativen Energien wurde inzwischen die Genossenschaft „Jurenergie eG" gegründet (www.jurenergie.de). Sie ermöglicht eine breite Bürgerbeteiligung und damit eine noch höhere regionale Wertschöpfung.

Herr Joachim Martini von der Energieallianz Bayern hat unsere Fragen zur Technik beantwortet. Seit Inbetriebnahme im August 2011 laufen die Anlagen störungsfrei. Dafür sorgt auch die vierteljährliche Inspektion durch den Hersteller. Der Windpark erzeugt mit jährlich etwa 20 Mio. kWh Strom für ca. 8.000 Haushalte, das sind etwa 5 % vom Stromverbrauch im gesamten Landkreis Miesbach und fast soviel wie die gesamte Erzeugung von Solarstrom oder Strom aus Wasserkraft im Landkreis Miesbach zu Ende 2011. Die Eigenkapitalrendite liegt im oberen einstelligen Prozentbereich.

Alle Teilnehmer haben einen positiven Eindruck und viel nützliche Informationen von der Windenergie in einem Waldgebiet mitgenommen. Besonders hervorgehoben wurde von den Teilnehmern der engagierte und motivierende, sachkundige Bericht des Bürgermeisters Herrn Kraus, die gute Standortwahl, der sehr ruhige Betrieb und der sehr geringe Platzbedarf der Windenergieanlagen und der benötigten Zufahrten. Wir haben auch gesehen, dass eine Windenergieanlage „Eiswurf" verursachen kann, dieses Phänomen tritt bei frostigen Temperaturen und gleichzeitig hoher Feuchtigkeit auf.

Die Bürgerstiftung Energiewende Oberland und die Gemeinde Otterfing bedanken sich nochmals besonders bei der Gemeinde Velburg und ihrem Bürgermeister Herrn Kraus, bei Herrn Joachim Martini von der Energieallianz Bayern, bei allen Teilnehmern und bei unserem Busfahrer der Fa.Burgmayr für die ruhige und zügige Fahrt.

Otterfing, den 21.11.2012

Horst Böhner, Otterfing, Bürgerstiftung Energiewende Oberland

Jakob Eglseder, 1.Bm der Gemeinde Otterfing