Handlungskonzept Energiewende 2035 (INOLA)

Wo steht die Region? 

Ist- und Potenzialanalyse Energiesystem und Landnutzung, Akteure, Akzeptanz, und ökonomische Effekte

In der ersten Projektphase wurde eine aktuelle Datenbasis und gemeinsame Wissensgrundlagen für die Modellregion geschaffen. Hierzu wurden zahlreiche Analysen zu unterschiedlichen Fragestellungen durchgeführt.

  • Erstens erfolgte eine Analyse des derzeitigen Energie- und Landnutzungssystems und darauf aufbauend wurde untersucht, welches naturräumlich-technische Potenzial für den Ausbau erneuerbarer Energien in der Modellregion zur Verfügung steht.
  • Zweitens wurde untersucht, welche Zielkonflikte mit dem Ausbau erneuerbarer Energien in der Region verbunden sind und welche Akteursgruppen für die regionale Energiewende relevant sind und wie ihre Zusammenarbeit im Sinne einer regionalen Energiegovernance gestaltet ist.
  • Drittens wurde die allgemeine Akzeptanz für die Energiewende in der Region untersucht. Viertens wurde im Rahmen einer bayernweiten Befragung zum Sanierungsverhalten von Eigenheimbesitzer*innen ermittelt, welche Bereitschaft bei privaten Haushalten besteht, in Sanierungsmaßnahmen, Heizungstausch sowie erneuerbare-Energie-Anlagen zu investieren.
  • Schließlich wurden die mit der Energiewende einhergehenden ökonomischen Effekte analysiert und bewertet.

Die Ergebnisse aller Analysen wurden in verschiedenen Formaten aufbereitet und bei zahlreichen Projektveranstaltungen in der Modellregion präsentiert und mit der Fachöffentlichkeit diskutiert. Ebenso wurde die Ist- und Potenzialanalyse von der EWO als Diskussionsgrundlage in unterschiedlichen Gremien wie Bürgermeisterdienstbesprechungen, Fachbeiräte für Energie und Klimaschutz oder verschiedenen Arbeitskreisen eingebracht. Zudem wurden die Ergebnisse zu mehreren Produkten aufbereitet:

Posterausstellung

Wertschöpfungsrechner für die regionale Energiewende

Ist- und Potenzialanalyse: Energiesystem und Landnutzung

Analyse Landnutzung:

In einem ersten Schritt wurden die naturräumlichen Gegebenheiten, die Landnutzung sowie ihre Bewirtschaftung in der Modellregion analysiert. Dazu zählte die Erfassung der klimatischen, geomorphologischen, pedologischen und hydrologischen Bedingungen sowie der Landbedeckung und Landnutzung. 

Analyse Energiesystem:

Hier wurden existierende Anlagen zur Energieerzeugung (regenerative und nicht regenerative Energieerzeugungsanlagen) sowie zur Energiespeicherung (Speicherseen, Erdgasspeicher, usw.) räumlich erfasst und der derzeitige Strom- und Wärmebedarf auf Gemeindeebene sowie nach Sektoren erfasst. Diese Ist‐Analysen lieferten die Grundlagen für die darauf aufbauende Potenzialanalyse: Hier wurde  das naturräumlich-technische Potenzial für erneuerbare Energien sowie mögliche Standorte für Energieerzeugungsanlagen und deren potenzielle Energiegewinnung untersucht.Die Analyse verdeutlichte, welcher Ausbau naturräumlich, technisch, regionalplanerisch und genehmigungsrechtlich möglich ist. Die Ergebnisse der Ist‐ ebenso wie der Potenzialanalysen wurden in einem Geographischen Informationssystem (GIS) so kartographisch aufbereitet, dass sie mit regionalen Akteuren diskutiert werden konnten. Zudem stellten die Analysen eine wichtige Datengrundlage für das INOLA-Simulationstool dar, mit dem verschiedene Ausbaupfade erneuerbarer Energien durchgespielt und verschiedene Politikmaßnahmen getestet wurden. 

Bei Ist- und Potenzialanalyse muss zunächst entschieden werden, welcher Detaillierungsgrad angestrebt wird. Die vorliegenden methodischen Hinweise beziehen sich auf Analysen mit einem hohen Detaillierungsgrad. 

Hier finden Sie Hinweise zur Erstellung Ist-Analysen für die Landnutzung.

Hier finden Sie Hinweise zur Erstellung von Istanalysen für das Energiesystem. 

Hier finden Sie Hinweise für die Erstellung von Potenzialanalysen für Landnutzung und Energiesystem. 

Akteure und Governance-Formen für die Etablierung eines nachhaltigen Land- und Energiemanagements auf regionaler Ebene

Die Akteurs- und Governance-Analyse untersuchte, welche regionalen Governance-Formen geeignet sind, einregionsübergreifendes, nachhaltiges Landnutzungs‐ und Energiesystem in der Modellregion zu etablieren. Zudem wurde die Frage adressiert, welche Rollen verschiedene Akteure und Organisationen in der Modellregion im weiteren Projektverlauf aber auch im gesamten weiteren Transformationsprozess für ein nachhaltiges Land- und Energiemanagement einnehmen können. Bestehende Zielkonflikte stellten einen weiteren Fokus der Analyse dar. Die Untersuchung beruht auf 28 Interviews mit Vertreter*innen aus Wirtschaft, Land-, Forstwirtschaft, Naturschutz, Politik und Verwaltung sowie Vereinen und Verbänden, einer Zeitungsanalyse und Internetrecherchen sowie teilnehmenden Beobachtungen bei zahlreichen regionalen Veranstaltungen mit Energiewendebezug.

Hinweise zur Erstellung einer Akteurs- und Governance-Analyse finden Sie hier. In dieser Form ist die Analyse relativ aufwendig und, zeitintensiv. Für einen schnellen Überblick zu den relevanten Akteuren kann auch eine sogenannte Schnittstellengraphik als erster Schritt hilfreich sein.Ein Beispiel hierfür findet sich in Böhm et al. 2019, S. 83 (Nachhaltige Landnutzung managen)

Akzeptanz für die Regionale Energiewende

Die Erhebung der Akzeptanz für die Energiewende in der Modellregion fand im Rahmen eines Lehrforschungsprojektes am Department für Geographie der LMU München statt. Passanten (n=340) in ausgewählten Gemeinden der Modellregion wurden zu ihrer Akzeptanz für die Energiewende allgemein, für verschiedenen Erneuerbaren-Energie-Anlagen am eigenen Wohnort sowie zu ihrem Informationsstand in Bezug auf die regionale Energiewende befragt. Obwohl keine repräsentative Stichprobe erreicht werden konnte, waren die Befragungsergebnisse für die Projektkommunikation ein wichtiger Baustein. So ist z. B. die Windkraft in der Region äußerst umstritten und der geltende Regionalplan sieht kaum Vorrangflächen für die Windkraft vor. In der Befragung gaben allerdings knapp 60 % der Befragten an, Windkraftanlagen am Wohnort eher zu befürworten. Zudem zeigte sich: die regionale Energiewende ist vor allem eine kommunikative Aufgaben. Fast zwei Dritteln der Befragten war das energiepolitische Ziel der Landkreise bis 2035 unabhängig von fossilen Energien zu werden nicht bekannt.

Vertiefende Informationen zu dem methodischen Vorgehen und den Ergebnissen der Studie finden Sie hier.

Sanierungsverhalten von Hausbesitzer*innen in Bayern

Die Region kann ihr Ziel nur erreichen, wenn verstärkt Energie eingespart wird. Der Gebäudesektor bietet hier hohes Potenzial. Deshalb wurde anhand einer umfangreichen Befragung bayerischer Hausbesitzer*innen untersucht, warum und unter welchen Bedingungen Haushalte energetisch sanieren und wie sich ihr Entscheidungsprozess von der ersten Idee bis zur tatsächlichen Umsetzung gestaltet. So zeigte sich, dass die Hauptbedenken der Hausbesitzer gegenüber energetische Sanierung  vor allem die hohen Investitionskosten sind sowie dass die erwarteten Kosten- bzw. Energieeinsparungen nicht erfüllt werden. Ein interessanter Befund der Analyse ist, dass Maßnahmen zur Effizienzsteigerung des Gebäudes häufiger durchgeführt werden, wenn Hausbesitzer*innen  darüber nachdenken, während Maßnahmen zur Energieproduktion (z.B. in Form von Solaranlagen oder Wärmepumpen) zwar häufig in Betracht gezogen werden, allerdings viel seltener auch tatsächlich umgesetzt werden. 

Auf Basis der Befragungsergebnisse wurden wichtige Handlungsempfehlungen entwickelt wie die Sanierungsquote in der Region Oberland und darüber hinaus gesteigert werden kann. 

Vertiefende Informationen zu dem methodischen Vorgehen und den Ergebnissen der Studie finden Sie hier.

Bewertung der regionalen Energiewende aus ökonomischer Sicht

Die mit dem Ausbau erneuerbarer Energien verbunden Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte stellen für verschiedene Stakeholdergruppen ein gewichtiges Argument für regionale Energiewendeprozesse dar. Sie sind aber auch ein wichtiger Akzeptanzfaktor für Bürger*innen. 

Bei der Analyse der wirtschaftlichen Effekte regionaler Energiewendeprozesse kann methodisch sehr unterschiedlich vorgegangen werden. Im INOLA-Projekt wurde zur Untersuchung dieser Effekte eine Weiterentwicklung der Input-Output-Analyse (kurz: IO-Analyse) verwendet. Die IO-Analyse hat den Vorteil, indirekte Effekte durch Investition und Betrieb auf andere Wirtschaftszweige abschätzen zu können. Untersucht wurden sowohl die wirtschaftlichen Effekte durch die Installation und den Betrieb von Erneuerbaren-Energie-Anlagen, als auch durch Gebäudesanierungen. Die wirtschaftlichen Effekte wurden in Arbeitsmarkt-und Wertschöpfungseffekte untergliedert. 
Eine zentrale Botschaft der Analyse an die Politik ist, dass der Fachkräftemangel einen wesentlichen Engpass bei der Umsetzung der Energiewende darstellt und dringender Handlungsbedarf zur zügigen Nachwuchsförderung und zur Steigerung der Attraktivität der benötigten Berufsgruppen besteht.

Weiterführende Informationen zur Bewertung der regionalen Energiewende aus ökonomischer Sicht finden Sie hier

Hier finden Sie das INOLA-Tool für Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte