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Zeit zum Heizungstausch?

Ein Blick aufs Heizungslabel hilft weiter

Was das Schild auf älteren Heizungen bedeutet und wann Handlungsbedarf besteht, erklärt Kaminkehrermeister Anton Dengg im Interview mit Energiewende Oberland.

Energie ist teuer. Im Oberland verbrauchen die Menschen 44 Prozent der Energie fürs Heizen und die Warmwasserbereitung zu Hause. Je nachdem, wie effizient die Geräte sind, können sie einen besonders hohen Energieverbrauch und damit hohe Kosten bewirken. Und hierbei spielt besonders das Alter der Geräte eine Rolle: In Deutschland kommen Heizgeräte im Durchschnitt auf 17,6 Jahre, über ein Drittel ist sogar älter als 20 Jahre, wie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) informiert.

Um Verbraucher*innen über die Effizienz ihrer Heizung und über Energieberatungsangebote und Förderungen zu informieren, werden Heizungen, die älter als 15 Jahre sind, seit 2016 mit einem Effizienzlabel ausgestattet. Auf einer Farbtreppe steht dabei grün für sehr sparsam, rot für sehr verschwenderisch. Das Label soll die Austauschrate alter Heizungen erhöhen und Anstoß zum Energiesparen geben. Mit einer effizienten Heizung kann ein unnötig hoher Energieverbrauch und auch Kosten gesenkt werden und sie leistet einen Beitrag zum Klimaschutz.

Das Label können Heizungsbauer*innen, Energieberater*innen und Schornsteinfeger*innen vergeben. Einer von ihnen ist Anton Dengg, Kaminkehrermeister aus Benediktbeuern. „Bei der Kennzeichnung geht es darum, die Leute zum Austausch ihrer alten Heizungen zu motivieren. Wer auf seiner Heizung die Klassen C oder D findet, der sollte unbedingt den Austausch gegen ein modernes Heizgerät prüfen. Damit können die Leute bis zu 20 % der Heizenergie sparen.“ Eine Möglichkeit zum Tausch, die Dengg empfiehlt, sind Nahwärmenetze. „Die Wärmeleitungen sind kurz und der Energieverlust damit gering. Wer mit Gas heizt, kann auch auf Biogas umsteigen oder in der Zukunft auf Wasserstoff umrüsten.“ Kleben die Klassen A oder B auf der Heizung, handelt es sich um einen effizienten Kessel, bei dem aber auch Potential zur Optimierung und damit zur Einsparung besteht. Zum Beispiel durch die Einstellung der Heizung passend zum Verbrauch oder einen regelmäßigen hydraulischen Abgleich, die Ergänzung durch Solarthermie für warmes Wasser oder zum Heizen, eine Kombination mit erneuerbaren Energien oder Kraft-Wärme-Kopplung KWK.

Bei der Anschaffung einer neuen Heizung hilft das Label allerdings nicht ausreichend weiter. Seit September 2019 haben neue Anlagen zwar Effizienzklassen von A+++ bis D. Im Vergleich zu anderen Geräten wie Spülmaschinen oder Waschmaschinen hängt die tatsächliche Effizienz einer Heizung aber auch davon ab, ob die Anlage an die Bedürfnisse und die Bedingungen vor Ort angepasst ist oder wieviel der jeweilige Energieträger kostet. Um eine neue Heizung auszuwählen, die zum Haushalt passt und damit auch Geld und CO2 einspart, empfiehlt sich eine neutrale Beratung, zum Beispiel durch die Verbraucherzentrale.

Im Oberland werden 44% der Energie für Wärme eingesetzt und verursachen 31% der CO2-Emissionen. Nur 10% der Energie kommt aus erneuerbaren Quellen. Das Projekt REPLACE möchte darum Endkunden zum Heizungstausch und gleichzeitig zum Energiesparen motivieren, spricht aber auch Fachleute wie Installateur*innen, Kaminkehrer*innen, Architekte*innen und Energieberater*innen sowie die politische Ebene an, damit auch sie ihre Kunden Richtung klimafreundliche Technologien beraten und die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. Auf der Webseite www.wärmewende-oberland.de sind Werkzeuge wie nutzerfreundliche Handbücher für Endkunden und Fachkräfte zu finden, eine Heizungsmatrix, die von Passivhaus bis Bestandsbauten in einer übersichtlichen Tabelle geeignete Technologien darstellt oder ein Heizungsrechner, mit dem überschlägig Heizungstauschprojekte berechnet werden können.

 

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