Positive Kostenbilanz für Heizung und Strom

Familie Farchmin setzt die Energiewende in Hohenpeißenberg um


„Bei einem Vortrag im Ort sagte ein Verfahrens-Ingenieur um 1980: Sie müssen vor allen anderen Maßnahmen in Solar-Technik so gut isolieren, dass Sie eine Kerze auf den Tisch stellen und sich daran wärmen können. – Danach machen Sie alles andere.“, so berichtet Wolfgang Farchmin von den Anfängen seines Energiewende-Vorhabens in Hohenpeißenberg. Wie es dann weitergegangen ist, kann sich sehen lassen, denn „Für unser Reiheneckhaus, einen Neubau bezogen 1979 mit ca. 150 m2 Wohnfläche über drei Etagen mit Unterkellerung, können wir heute von einer positiven Kostenbilanz für Strom und Heizung von mehr als 600,- Euro ausgehen.“

Ausgangssituation: Ölheizung

Seit ihrem Einzug im Jahr 1979 hat Familie Farchmin eine Menge in Sachen Energiewende unternommen. Ausgangssituation im Haus war eine Öl-Zentralheizung mit einem Jahresverbrauch von ca. 2.000 L Heizöl. Die Heizungspumpe lief mit Empfehlung der Heizungstechniker rund um die Uhr, der Stromverbrauch der Pumpe war mit 40 Watt ausgewiesen und war als „zu vernachlässigend“ angekündigt. Tatsächlich verbrauchte die Pumpe damit fast 1 kWh pro Tag und damit über 350 kWh im Jahr. Dies entsprach damals ca. 15 % des Jahresstromverbrauchs. Durch die ständige Bereitstellung des Warmwassers im häuslichen Sanitärbereich entstand ein anteiliger Ölverbrauch von ca. 600 Litern im Jahr. 

Kachelofen und Solarthermie

Um Energie und damit Kosten zu sparen, ergänzte die Familie ihre Heizung mit einem Kachelofen mit Brennereinsatz, Nachheizkasten und Rauchrohr-Steuerklappe im Übergang vom Ölbrenner zum Kamin. 2013 kam eine Thermo-Solaranlage hinzu mit fünf Kollektoren und 13 m2 Fläche, aufgeständert auf ca. 50° nach Südost, damit sie von der Vormittagssonne im Frühjahr und im Herbst optimal erwärmt werden. An der Thermo-Solar-Anlage sind angeschlossen die Heizung, die Waschmaschine, der Geschirrspüler und die komplette Warmwasser-Versorgung. 

Erneuerbare Energien und Energieeinsparung

2014 kam eine PV-Solar-Anlage mit 20 Modulen und 30 m2 Fläche über zwei Flächen nach Südost und Südwest mit einer Leistung von 4,5 kWp dazu. Außerdem tauschte die Familie die Leuchtmittel gegen Spar-Lampen, später gegen LEDs aus. Sie überprüfte alle Strom-Verbraucher und tauschte unwirtschaftlicher Geräte aus. Und auch die Überarbeitung der Toilettenspülungen und die Beteiligung der beiden Töchter beim Energiesparen trug zur Reduzierung der Wasser- und Stromkosten bei.

Dämmung

Um möglichst viel Energie zu sparen, dämmten die Hohenpeißenberger außerdem ihr Haus umfassend. Hierzu gehörten die Dämmung der Kellerdecke, Innendämmung mit Zierholz- Verschalung, eine atmungsaktive Außendämmung sowie eine Dachgeschoss-Wärmedämmung mit Dampfbremsfolie. Und auch die Dämmung von Fenstern und Türen waren Teil der Maßnahmen. So wurden die Fenster zwei Mal verstärkt. Zunächst, vor gut 20 Jahren, innerhalb der bestehenden Rahmen mit einer Zweifachverglasung. Vor vier Jahren dann wurden alle Fenster und Flügeltüren komplett ausgetauscht, wobei der Wärmedämmwert der Gläser heute mit 076 dem der 30 cm dicken Poroton-Ziegelmauer entspricht.

Die meisten Maßnahmen haben die Farchmins vollständig in Eigenleistung umgesetzt. Ausnahme bildete die Installation von Solarthermie- und Photovoltaikanlagen. Und auch die Anbringung von Armierungsputz und nachfolgendem Edel-Putz übergaben die Farchmins an Handwerker.

Gründe für die Energiewende in Hohenpeißenberg

Warum die Familie ihre Energieversorgung umgestellt hat, berichtet Wolfgang Farchmin: „Ich beschäftige mich – nicht zuletzt durch Unterstützung meiner Frau – seit gut 40 Jahren mit diesem Thema. Auch in unserem Fall spielte die Kosten-Reduktion zunächst wegen der angespannten Kapitaldeckung eine ausschlaggebende Rolle. Heute sehen wir viele weitere Aspekte. So erkennen wir jetzt eine gleichmäßige Klimatisierung über die Thermo-Solar-Anlage im Wohnbereich, die wir vorher so nicht kannten. Über den Stromverbrauch eines Single-Haushaltes können wir stolz sein und die produzierte Strommenge von ca. 4.500 kWh/Jahr, die zwei weitere Haushalte versorgen kann, erfüllt uns mit Genugtuung.“

Energiebedarf nach dem Umbau

Bewirkte der Einbau des Kachelofens zusammen mit Dämmmaßnahmen, dass sich der Ölverbrauch in den 80er Jahren von 2.000 L auf 1.200 L im Jahr senkte, betreibt ihn die Familie heute, Dank der Thermo-Solaranlage, nur noch in den Winter- und Übergangs-Monaten und benötigt dafür ca. 2,5 Ster Buchenholz im Jahr. Mit einer Ladung 4 m langem Rundholz (20 Ster) kommen die Farchmins ca. 8 Jahre aus und „die sind in 2 Wochen geschnitten, gespalten (hydr. Spalter) und weggeschichtet“, wie Herr Farchmin feststellt.

Der Ölbrenner wird außerhalb der Kaminkehrer-Kontrolle selten gestartet. Der Jahresverbrauch beträgt ca. 10 L Heizöl und der Tank ist mit 4.000 L Inhalt seit 15 Jahren voll.

„Nachdem der Kachelofen von Ende März bis Ende September nicht gestartet wurde und auch die Ölheizung seit der Mess-Kontrolle 11/2022 nicht benötigt wurde, können wir sagen, dass wir im letzten Halbjahr (2022) keine fossilen (Öl) und auch keine regenerativen Heizstoffe (Holz) eingesetzt haben. Die Thermosolar-Anlage mit dem  800 L-Pufferspeicher hat die Aufgabe der Heizenergie-Versorgung in diesem Zeitraum gut erfüllt.“ erzählt Herr Farchmin.

Der Stromverbrauch entspricht mit ca. 1.600 kWh Jahresverbrauch dem eines Single-Haushaltes. Von diesem Jahresverbrauch muss die Familie nur ca. 50 % kaufen (36 Euro/Monat), der Rest kommt kostenlos aus der eigenen Anlage.

Vergleich vorher – nachher

 

Gebäudetyp: Reiheneckhaus, zwei Personen

 vorhernachher
HeizsystemÖl- Solarthermie mit 800 L Pufferspeicher
- Kachelofen mit Brennereinsatz
- Nachheizkasten und Rauchrohr-Steuerklappe
Heizwärmebedarf2.000 l10 l und 2,5 Ster Buchenholz
Stromverbrauch pro Jahr2.500 kWh1.600 kWh

Weitere Maßnahmen: 

  • Dämmung Kellerdecke: 40 m2 mit 10 cm Styropor/Styrodur und 10 m2 im Heizungsraum mit kaschierter Steinwolle wegen Brandschutzsicherheit; Innendämmung im Wohnbereich über 50 m2 10 cm/040 mit Zierholz-Verschalung; Außendämmung atmungsaktiv 20 cm/032, Dachgeschoss-Wärmedämmung 20 cm/040 mit Dampfbremsfolie.
  • Austausch von Fenstern und Flügeltüren: Rahmen mit 3-fach-Lippendichtung und Aufhebel-sicheren Verriegelungen mit einer Glas-Kombination Außenscheibe 10 mm, 4 mm und innen 8 mm, Paket-Dicke von 49 mm. Wärmedämmwert der Gläser: 076 und hervorragende Schalldämmung.
  • Überarbeitung der Haustür auf eine Blattstärke von 130 mm
  • PV-Solar-Anlage mit 20 Modulen und 30 m2 Fläche
  • Austausch der Leuchtmittel in Spar-Lampen, später in LED
  • Überprüfung aller Strom-Verbraucher mit Austausch unwirtschaftlicher Geräte
  • Überarbeitung der Toilettenspülungen und Verhaltensänderung zur Reduzierung der Wasser- und Stromkosten

 

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