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Wie man den hohen Preisen für fossile Brennstoffe entkommt und die Importabhängigkeit beendet

Raus aus der Energiepreisfalle, rein in die Unabhängigkeit mit Hilfe von REPLACE

Raus aus der Energiepreisfalle, rein in die Unabhängigkeit mit Hilfe von REPLACE
Das EU-geförderte Heizungstauschprojekt REPLACE hat Instrumente entwickelt, die eine einfache und kompetente Hilfestellung bei der Umstellung auf erneuerbare Systeme bieten.

Wählen Sie die richtigen Lösungen für Ihre erneuerbare Wärmeversorgung
In der aktuellen Situation ist es zunächst besonders wichtig, dass beim Austausch der bestehenden Heizungsanlage ein oder zwei technisch umsetzbare und geeignete Lösungen für die erneuerbare Wärmeversorgung gewählt werden. Dazu zeigt eine leicht verständliche Matrix im Ampelmodus, welche erneuerbaren Heizsysteme für welchen Gebäudetyp gut geeignet sind.

Kümmern Sie sich zuerst um die Energieeffizienz
Im zweiten Schritt, noch vor der Dimensionierung und Installation der geeigneten klimafreundlichen Lösung, sollten Sie kosteneffiziente Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs ergreifen, die sowohl den

  • langfristigen Energieverbrauch
  • als auch die Anfangsinvestition (da eine kleinere neue Anlage den geringeren Bedarf decken kann) erheblich reduzieren.

Unabhängig von der gewählten klimafreundlichen Technologie sind solche Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs unter anderem

  • Wärmedämmung der obersten Geschossdecke des Hauses. Dies spart 15-20 % des jährlichen Heizenergieverbrauchs eines Einfamilienhauses und amortisiert sich in wenigen Jahren.
  • der hydraulische Abgleich des internen Wärmeverteilungs- und Heizkörpersystems des Hauses. Dabei wird der Wassermassenstrom so eingestellt, dass der Wärmetransport (Wasser) zu jedem Raum optimiert und der Temperaturanstieg im ganzen Haus harmonisiert wird. Der Installateur benötigt dafür einen halben oder ganzen Tag und spart 5-15 % des jährlichen Heizenergieverbrauchs.
  • Austausch von Fenstern, insbesondere wenn die Luftdichte oder die Wärmedämmung schlecht sind. Der Eingriff ist nicht übermäßig und kann den Heizenergiebedarf um 20-25 % senken und den Wohnkomfort erheblich steigern.

Zusammen mit den beiden oben genannten Maßnahmen kann der Heizenergieverbrauch mehr als halbiert werden. Das ist - auch in Relation zu den Anfangsinvestitionen für die neue klimafreundliche Anlage - unabhängig von der gewählten Technologie beachtlich.

Insbesondere dann, wenn eine moderne Wärmepumpe (WP) gewünscht wird, keine Fernwärme zur Verfügung steht oder keine Biomasseverbrennung/-lagerung bzw. -lieferung möglich ist - sollte darüber nachgedacht werden:

  • Achten Sie darauf, dass die Vorlauftemperatur des hauseigenen Verteilsystems unter 45°C liegt - damit die WP die möglichen Effizienzgewinne durch die Technik ausreichend ausschöpfen kann. Wenn Sie das Glück haben, eine Fußboden-, Wand- oder Deckenheizung zu haben, werden Sie auch mit 35°C oder weniger auskommen.
  • Wenn Ihr Haus über Heizkörper (oft mit 50-70°C Vorlauftemperatur) verfügt, ist Voraussetzung für die Erfüllung des 45°C-Kriteriums, dass der Heizenergieverbrauch des Hauses durch die oben beschriebenen Maßnahmen so weit reduziert wird, dass die vorhandenen Heizkörper das Haus auch bei deutlich niedrigerer Vorlauftemperatur ausreichend warm halten können. Bitte beachten Sie auch: Jedes Grad Vorlauftemperatur unter 45°C spart weitere 2% des Jahresstrombedarfs der WP. Sie können den Heizenergieverbrauch noch weiter senken, indem Sie entweder weitere Teile der Gebäudehülle (Fassade, Keller, Außentüren etc.) thermisch sanieren oder Heizkörper mit Ventilatoren ausstatten bzw. größere Heizkörper installieren.
  • Der Warmwasserwärmebedarf (dieser erfordert eine Vorlauftemperatur von mindestens 55°C) einer Wärmepumpenheizung kann mit Unterstützung einer PV-Anlage (und einem elektrischen Heizstab in einem ausreichend dimensionierten Warmwasserspeicher) effizienter gedeckt werden. Alternativ kann auch eine solarthermische Anlage mit einem noch größeren Warmwasserspeicher eine geeignete Lösung sein.
  • Eine weitere, für WP besonders interessante Maßnahme ist die Installation einer kleinen Spitzenlastheizung (Hybridheizung) (z.B. ein Holzkachelofen oder ein ausgelegter Pelletofen im Wohnzimmer) als Reserve für sehr kalte Tage. Typischerweise tritt die maximale Heizlast nur an etwa 6 von (je nach Klima) 180 bis über 200 Heiztagen auf, und 80 % der Heizlast treten nur an etwa 20 Tagen auf. Am effizientesten ist es, wenn 20 % der oberen Heizlast an den weniger als 30 kältesten Tagen der Heizsaison von einem Reservesystem bereitgestellt werden. Dadurch kann die WP noch kleiner dimensioniert werden und wird sowohl billiger als auch effizienter (da der Betrieb der WP an den kältesten Tagen am ineffizientesten ist).

Wählen Sie eine klimafreundliche, finanziell attraktive und wirtschaftlich belastbare Lösung
Wenn Sie Ihr eigenes Heizungsaustauschprojekt wirtschaftlich bewerten möchten, können Sie den REPLACE-Rechner verwenden. In drei Schritten gelangt man auf Basis des eigenen Wärmebedarfs, der Art der installierten Anlage und nach Auswahl der lokal verfügbaren/möglichen Brennstoff-/Energieversorgungsoptionen direkt zum Ergebnis. Das Ergebnis zeigt nur klimafreundliche Heizsysteme an. Deren jährliche Heizkosten sowie die Kosten- und CO2-Einsparungen im Vergleich zum bestehenden Heizsystem werden abgebildet. Das Tool läuft ohne Vorkenntnisse auf der Basis wirtschaftlicher Standardwerte und verfügbarer Investitionsförderungen der ausgewählten Region. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, für jede betrachtete Technologie eigene reale oder projektspezifische Investitions- und Förderdaten sowie Betriebskosten (z.B. aktuelle und zukünftige Brennstoffpreise sowie Wartungs- und Reparaturkosten) einzugeben. Dies ermöglicht auch den Vergleich konkreter Angebote von Installationsbetrieben.

Wenn Sie den Grundsatz "Energieeffizienz zuerst" beachtet und einen kompetenten Installateur mit Erfahrung in der Dimensionierung und Umsetzung von hochwertigen Heizungsanlagen gewählt haben, sollten Sie ein Projekt realisiert haben, das Ihr Haus auch in unsicheren Zeiten unabhängig und preisstabil macht. Darüber hinaus ist auch das kombinierte Heizen mit Scheitholz und Pellets in zwei getrennten Brennkammern in einer Heizungsanlage denkbar. Das macht Sie flexibel bei Preisänderungen, wenn Sie sich für Biomasse entscheiden und gerne mit Scheitholz arbeiten. Eine PV-Anlage passt perfekt zu einer reversiblen WP-Anlage, die Ihr Haus im Sommer auch kühlt.

Weitere Informationen über Ihre Möglichkeiten finden Sie in unseren Handbüchern zum Heizungstausch. Zwei Handbücher richten sich einerseits an Endkunden und andererseits an Fachleute und führen sie durch den jeweiligen Prozess des Heizungstauschs. Dort finden Sie auch einige nützliche Empfehlungen, wie Sie Ihren gesamten Wärmeverbrauch senken können. So spart zum Beispiel jedes Grad weniger Raumtemperatur (z.B. 22°C statt 23°C) 6 % des Brennstoffverbrauchs während der Zeit der abgesenkten Raumtemperatur. Wenn der Thermostat während der Heizperiode auf 21°C statt 24°C eingestellt ist, sparen Sie 18% Brennstoff über die Heizperiode. In Zeiten hoher Brennstoffpreise kann es sich lohnen, im Winter ein langärmeliges Hemd zu tragen, statt nur ein T-Shirt.

Schließlich gibt es noch Gute-Praxis-Beispiele mit realisierten Beispielen aus acht europäischen Ländern, die von west- über mittel- bis zu südosteuropäischen Beispielen reichen, unter anderem auch aus dem Oberland.

Über REPLACE
REPLACE ist ein Forschungs- und Innovationsprojekt. Seine Online-Tools werden zusammen mit regionalen Kampagnen wie der Einrichtung von Informationsstellen, der Unterstützung von Gemeinschaftsaktionen wie der Beschaffung von Dämmmaterial oder Exkursionen zu Beispielen guter Praxis eingesetzt. Das Projekt hat ein Hauptziel, nämlich die Menschen in acht verschiedenen Ländern zu motivieren und zu unterstützen, ihre alten Systeme durch umweltfreundlichere Alternativen zu ersetzen, die auf fundierten Entscheidungen beruhen. Einfache Renovierungsmaßnahmen, die den Gesamtenergieverbrauch senken, sind ebenfalls Teil des Programms. Nach fünf Jahren Umsetzung der Kampagne sollen jährlich 144.000 Tonnen Treibhausgas eingespart werden. Die Österreichische Energieagentur leitet das Programm, das von der EU im Rahmen des Programms Horizon 2020 finanziert wird. Insgesamt arbeiten 11 Projektpartner in acht Ländern gemeinsam daran, das Heizen und Kühlen in Europa sauberer und effizienter zu machen. Die Länder, in denen REPLACE durchgeführt wird, sind Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Kroatien, Nordmazedonien, Österreich, Slowenien und Spanien.