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Mit der Lupe auf die eigenen Daten schauen

Zwischenworkshops im Wettermessprojekt KARE-CS

Mit der Lupe auf die eigenen Daten schauen

Was ist neu in der Wetter-App, wie wirkt sich der Standort des eigenen Messgeräts „MESSI“ auf die Ergebnisse aus und welche Gründe kann es für die Unterschiede zwischen eigenem Wetterempfinden und gemessenen Daten geben? Bei den Zwischenworkshops im Bürger*innenforschungsprojekt KARE-CS im Juni konnten die beteiligten Jugendlichen an drei Schulen in Garmisch-Partenkirchen, Geretsried und Lenggries mit wissenschaftlicher Unterstützung den Blick für die eigenen Forschungsergebnisse schärfen.
 
Die neueste Entwicklung in der MESSI-App stellte Vincent Sobottke vom Team der Freien Universität Berlin vor. Wie bisher können alle Wettermesser*innen auf einer Grafik sehen, welche Daten das eigene Gerät über den Verlauf der letzten Stunde, Tag, Woche oder an einem älteren Datum misst. Um Daten in einem bestimmten Zeitraum genauer untersuchen zu können, lernten die Schüler*innen beim Workshop die neue Zoom-Funktion kennen. Mit der farbig markierten Messkurve, die das eigene Messgerät anzeigt, können die Schüler*innen nun z.B. die Temperaturentwicklung in einem genauen Zeitraum mit Daten aus benachbarten Geräten vergleichen und damit Effekte an verschiedenen Standorten sichtbar machen und untersuchen. Was für die verschiedenen Werte wie Temperatur oder Beleuchtung gilt, haben die Wissenschaftler*innen beim Niederschlag ergänzt: hier wird neben der Sichtbarkeit von eigenen und benachbarten Messgeräten zudem die Summe der Niederschläge angezeigt.
 
Welche Effekte mit Hilfe der neuen Zoom-Funktion sichtbar gemacht werden können, demonstrierte Martin Göber vom Team der FU Berlin. Ist bereits ohne Zoom zu erkennen, dass die Datenkurve mit Aufs und Abs das Vorhandensein von Wolken abbildet, oder dass die gemessene Beleuchtungsstärke gegen 18 Uhr schnell abnimmt, zeigte der Blick auf die Temperatur quasi mit der Lupe ein besonderes Phänomen: Das Variieren der Temperatur alle paar Minuten um 1 Grad Celsius, wobei die Schwankungen ab 18 Uhr abnehmen. Damit zeigen die Messgeräte der Jugendlichen Turbulenzen an „vergleichbar mit einem Wassertopf auf einer Herdplatte, wenn das Wasser bald kocht und Wasserblasen blubbern“, wie Göber veranschaulicht. Was die MESSIS da abbilden, sind Luftblasen, mit deren Hilfe zum Beispiel Vögel aufsteigen, oder die Seglerflieger*innen nutzen, um möglichst lange in der Luft zu bleiben.
 
Damit die Jugendlichen ihre gemessenen Daten richtig interpretieren, ging es beim Workshop außerdem um die Standorte der Messgeräte und die Fragen, welchen Einfluss sie auf die Messungen haben, bzw. wie gut der gewählte Standort ist. Thomas Kox von der Ludwig-Maximilians-Universität München erläuterte die für die Wissenschaft wichtige Frage am Beispiel der steigenden Lufttemperatur in München im Verlauf der Jahre: „Stimmt es wirklich, dass sich die Temperatur über die Jahre erwärmt hat, oder entsteht das aus lokalen Effekten wegen der zunehmenden Bebauung mit höherer Wärmespeicherung, weniger Verdunstung und weniger Wind?“ Im Vergleich mit dem außerhalb gelegenen Flughafen ist für die Schüler*innen zu sehen, dass dort zwar tagsüber kaum ein Verstädterungs-Effekt auftritt, aber trotzdem nachts Hitze- und damit Schlafprobleme entstehen. Für die Schüler*innen bedeutet das, dass auch sie den Einfluss der Umgebung auf ihre Messungen berücksichtigen müssen. Als Mittel zur Orientierung erhielten sie den Auftrag, den Standort ihrer Messgeräte zu skizzieren inklusive z.B. Häusern und Bäumen und sich zu überlegen, was ihre Messungen beeinflussen könnte. Und auch die Wettermeldungen, die die Schüler*innen im Projekt machen, geben Anlass zum Nachdenken: Was sind mögliche Gründe, wenn Meldungen, wie sie eine bestimmte Wetterlage nach Stärke oder Beeinträchtigung beurteilen, und Messdaten abweichen?
 
Mit der Fortführung von Wettermessungen und -meldungen und der Skizze zum MESSI-Standort bereiten sich die Schüler*innen auf den Abschlussworkshop vor. Hierfür überlegen sie sich eigene Forschungsfragen, die sie mit Hilfe der gemessenen Daten und Erkenntnis beantworten wollen. Beteiligt sind das Werdenfels-Gymnasium in Garmisch-Partenkirchen, das Gymnasium Geretsried und das St. Ursula-Gymnasium Lenggries. Das Projekt KARE-CS, das über den Förderbereich Bürgerforschung des BMBF gefördert ist, wird geleitet von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und findet in Zusammenarbeit mit dem Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin und der Energiewende Oberland als Praxispartner statt.