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Neue Pelletheizzentrale an der Grundschule Schlehdorf

Neue Pelletheizzentrale an der Grundschule Schlehdorf

Erste Überlegungen zu einer gemeinsamen regenerativen Beheizung der kommunalen Liegenschaften in Schlehdorf gab es bereits vor 10 Jahren. Damals lag der Ölpreis bei ca. 1,- € pro Liter. Eine große Hackschnitzelzentrale sollte den gesamten Ortskern inklusive Kloster und Klostergaststätte mit Wärme versorgen. Mit sinkendem Ölpreis in den darauffolgenden Jahren schwand die Begeisterung für das Projekt, sodass es nicht zur Umsetzung gekommen ist. Der Gemeinderat von Schlehdorf hat den Grundgedanken zur Umstellung der Wärmeversorgung von kommunalen Liegenschaften auf regenerative Energien vor drei Jahren wieder aufgegriffen. Die Ölpreise waren zwar immer noch sehr niedrig, doch waren die bestehenden Heizanlagen von Schule, Kindergarten, Rathaus, Feuerwehrgerätehaus und Raiffeisengebäude allesamt technisch veraltet.

Im Zuge der energetischen Sanierung des Schulgebäudes wurde nicht nur die komplette Gebäudehülle verbessert, sondern im bestehenden Heizraum eine Pelletheizzentrale zur Wärmeversorgung aller kommunalen Liegenschaften eingebaut. Mittels gedämmter Fernwärmeleitungen werden die angeschlossenen Gebäude mit Wärme versorgt. Potenzial besteht zudem für eine zusätzliche Kindertagesstätte oder ggf. eine neue Turnhalle.

Doch wie nachhaltig sind Heizpellets wirklich?
Die Frage der Nachhaltigkeit wird in der Regel bei allen Energiewendeprojekten gestellt. Realistischer Weise muss mit den möglichen Alternativen verglichen werden. In der Vergangenheit wurden in den Gebäuden knapp 50.000 Liter Heizöl pro Jahr verbrannt. Dem Gemeinderat von Schlehdorf war klar, dass dies kein zukunftsfähiges Wärmekonzept darstellt. Beim Pressetermin zur Vorstellung der neuen Heizzentrale erläutert zweiter Bürgermeister Werner Mest, dass eine 100-prozentig regenerative Wärmeversorgung das Ziel des Gemeinderats war. Selbst ein fossiler Spitzenlastkessel, mit die Anschaffungskosten etwas günstiger gewesen wären, sollte nicht installiert werden.

Sowohl Kindergarten und Schule als auch der Dorfladen mit dem Feuerwehrgerätehaus und das Rathaus Schlehdorf wurden jetzt vollständig regenerativ beheizt. Langfristig wird diese Wärmeversorgung auch günstiger sein als jede Öl- oder Gasheizung, ist sich  Bürgermeister Stefan Jocher  sicher. Die Besteuerung von zusätzlichen CO2-Emmissionen betrifft die Haushaltskasse der Gemeinde Schlehdorf nicht mehr.

Allein die Umstellung der Heizanlage auf einen regenerativen Energieträger macht noch keine Energiewende. Hubert Exinger vom Ingenieurbüro TEGAPLAN erläutert die regelungstechnischen Vorteile der Anlage: Statt fünf verschiedenen Heizanlagen reduzieren sich die Bereitschaftsverluste durch eine gemeinsame Anlage erheblich. Der Wärmebedarf der Schule wird durch Dach- und Fassadendämmung sowie neuer Fenster erheblich gesenkt. Selbst mit einem regenerativen Energieträger muss sparsam umgegangen werden, so Exinger.

Bei Biomasse-Heizanlagen ist ein besonderes Augenmerk auf die Staubemissionen zu legen. Die Kontrolle über die Luftreinhaltung üben stets die Kaminkehrer aus. Als zuständiger Bezirkskaminkehrermeister hat Stefan Geiger die Anlage geprüft. Der erlaubte Grenzwert für Feinstaub liegt bei 0,02 g/m³ Abgas. Die Messungen haben eine Unterschreitung dieses Werts um ca. 90% ergeben. Desgleichen gilt für den Ausstoß von Kohlenmonoxyd. Immer wieder wundert sich Kaminkehrer Geiger über Neuinstallationen von Ölheizungen. In seinem Kehrbezirk gibt es keine Erdgasversorgung, dennoch gibt es eine Vielzahl von Technologien, die den Energieträger Heizöl ersetzen könnten. Für besonders kurzsichtig hält er den Einbau von Ölheizungen in Neubauten: Alternativ können regenerative Energien wie Pelletsheizungen, Hackschnitzelheizungen und/oder Wärmepumpen effizienter eingesetzt werden.

Die Gemeinde Schlehdorf wurde bei der Beschaffung von Fördermitteln von der Energiewende Oberland unterstützt. EWO-Fachberater Andreas Scharli kennt jedoch nicht nur die Förderprogramme zur Umstellung von Heizanlagen sondern setzt sich auch mit den Fragen der Nachhaltigkeit auseinander. Natürlich muss berücksichtigten werden, wo die Heizpellets herkommen und welcher Aufwand für Erzeugung und Logistik erforderlich ist. Wer beim regionalen Pellethändler bestellt bekommt in der Regel Pellets aus einem der nächstliegenden großen Sägewerke in der Nähe von Landsberg, Kösching bei Ingolstadt oder aus dem österreichischen Jenbach. Verwendet werden zur Pellet-Erzeugung vorwiegend Sägespäne, die als Abfallprodukt bei der Holzverarbeitung entstehen. Mit einem Anteil von ca. 10 % des Stammholzes ist der zur Verfügung stehende Rohstoff mehr als ausreichend vorhanden. Herstellung und Logistik fallen zu einem Anteil von 3-5 % der erzeugten Energiemenge an. Im Vergleich zu den Öl- und Gasaufbereitung ist dies wesentlich nachhaltiger. Zudem wird bei der Verbrennung von Holzbrennstoffen nur so viel Kohlendioxid ausgestoßen, wie beim Wachstum des Baumes aufgenommen wurde. Bei fossilen Energieträgern wurde der Kohlenstoff vor Millionen Jahren gebunden und kommt nun zusätzlich in die Atmosphäre.

Selbstverständlich ist es wünschenswert, dass generell möglichst wenig Heizenergie erforderlich ist. Daher sind Projekte, wie sie die Gemeinde Schlehdorf gerade umgesetzt hat, richtungsweisend für eine Energiewende nicht nur im Sektor Strom sondern auch bei der Wärme.

Nachdem die Vielfalt der Energiesysteme oftmals die Entscheidung für neue Heizanlagen erschwert, erarbeitet die Energiewende Oberland aktuell eine Entscheidungshilfe für eine nachhaltige Wärmewende. Mit Fördermitteln aus dem  EU – Projekt REPLACE wird für kommenden Herbst eine Info-Kampagne vorbereitet, die einen Überblick über marktübliche Heizsysteme, möglichen Kombinationen sowie deren Fördermittel gibt.
 

Ansprechpartner für Rückfragen

Andreas Scharli

Energiemanager IHK

scharli@energiewende-oberland.de

0152 0984 10 77


Das Projekt REPLACE wird unter Zuwendungsvereinbarung Nr. 847087 im Rahmen des Horizon 2020 Forschungs- und Innovationsprogramms der Europäischen Union finanziert.

Anhänge
  • Von r.n.l.: Bürgermeister Stefan Jocher, Ingenieur Hubert Exinger, Kaminkehrer Stefan Geiger und 2. Bürgermeister Werner Mest. Copyright: Energiewende Oberland.