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Wärmewende im Oberland – Gipfeltreffen am 29.1.2021

Daumen hoch für die Wärmewende - Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Wärmegipfel im Oberland

Daumen hoch für die Wärmewende - Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Wärmegipfel im Oberland

Im Oberland verbrauchen wir 44 Prozent der Energie für den Bereich Wärme – neben Strom (25 Prozent) und Verkehr (31 Prozent) der bei Weitem größte Anteil. Und nur ein kleiner Teil davon, nämlich 10 Prozent, kommen aus erneuerbaren Energien. Beim Wärmegipfel am 29.1.2021 ging es darum, welche Herausforderungen es auf dem Weg zu klimafreundlichem Heizen im Oberland gibt, wie Experten und Expertinnen das Thema sehen und mit welchen Aktivitäten Energiewende Oberland die Wärmewende in den nächsten zwei Jahren vorwärtsbringen will. Mit über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Oberland und darüber hinaus stieß der Wärmegipfel auf große Resonanz.  

Landrat Josef Niedermaier eröffnete den Wärmegipfel mit einem Lob für die staatlichen Fördergelder zum Heizungstausch. Gleichzeitig appellierte er an alle Beteiligten, „es einfacher für Umbau- und Sanierungswillige zu machen“, um das große Potential für die Wärmewende im Oberland zu heben.

Dass der Wille zum Klimaschutz im Oberland groß ist, stellte Stefan Drexlmeier fest, Vorstand der Bürgerstiftung Energiewende Oberland. Ein Stimmungsbild zur Wärmewende, im Rahmen vom Heizungstausch-Projekt Replace im Jahr 2020 erhoben, ergab, dass 57% der befragten Endkunden zukünftig erneuerbare Technologien einsetzen möchten, um zu Klima- und Umweltschutz beizutragen. Und auch gemeinschaftliche Aktionen wie Dorfheizungen wurden von Investoren und Endkunden positiv bewertet. Gleichzeitig zeigte die Umfrage, dass das Hauptargument bei der Entscheidung zwischen fossilen und nachhaltigen Heizsystemen in der finanziellen Situation liegt. Auf dem Weg zum klimafreundlichen Heizen fragten Endkunden, Fachkräfte und Investoren Informationsangebote ebenso wie Fortbildungsangebote nach.

Welchen Herausforderungen der Heizungstausch im Oberland gegenübersteht, stellte Andreas Scharli vom Kompetenzzentrum Energie (EKO) vor. Hierzu gehörten die große Anzahl an alten und ineffizienten Anlagen, die große Auswahl an nachhaltigen Heizsystemen, die eine Entscheidung erschweren können, das Angebot von sogenanntem klimaneutralen Heizöl oder Erdgas, das auf einem Kompensationsprinzip beruht, dabei das Problem der CO2-Emissionen aber nur verlagert, den günstigen Ölpreis sowie den Fachkräftemangel in der Region.

Beim Austausch zwischen Expertinnen und Experten aus Heizungsbau, Forst, Kaminkehrer und Verbraucherzentrale waren sich alle Beteiligten einig, dass am Ende der Kunde über die Wahl des Heizsystems entscheide. Welche Hebel es gibt, um klimafreundliche Heizsysteme im Oberland nach vorne zu bringen, beantworteten die Teilnehmer*innen mit verschiedenen Ansätzen. Heizungsbauer Friedrich Entenmann nannte eine verstärkte Bewerbung dieser Möglichkeiten in der Bevölkerung, sowie die Ausbildung von Nachwuchskräften, um den Kesseltausch im Oberland umzusetzen. Robert Nörr vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wies auf das ausreichende Energieholzpotenzial im Oberland hin, mit dem bei nachhaltiger Waldbewirtschaftung in den drei Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach und Weilheim-Schongau 14.000 Haushalte pro Jahr versorgt werden können. Als Hebel für nachhaltige Heiztechnologien betrachtete der Förster den Holzbau, durch den CO2 über lange Zeit in Gebäuden gebunden wird, in Ergänzung durch Energieholz, das als Koppelprodukt aus Waldpflege und Stammholznutzung anfällt. Bezirksschornsteinfeger Dieter Wenzl betonte die Notwendigkeit eines Sanierungsfahrplans, nach dem durch die Kombination mit energetischer Sanierung neue Heizungsanlagen effizienter dimensioniert werden können. Als Heizsystem für Einzelhäuser empfahl Wenzl Pelletanlagen als gut geeignet, wenn ein Anschluss an ein Wärmenetz nicht möglich sei. Bei großen Anlagen mache der Betreiber den Unterschied, wie effizient und klimafreundlich eine Heizung ist. Das Thema Ultra-Feinstaub habe man in der Region mit dem Einsatz von wirksamen Staubabscheidern gut im Griff. Sigrid Goldbrunner, Regionalmanagerin der Energieberatung Verbraucherzentrale Bayern, betonte, dass Heizungen nicht isoliert betrachtet werden sollten, sondern immer als passende Lösung zum entsprechenden Gebäude. Als große Hebel zum klimafreundlichen Heizen nannte Goldbrunner die bundesweiten Förderungen sowie die Verankerung in der Region mit lokalen Förderprogrammen und Aktivitäten.

Der Wärmegipfel fand im Rahmen des Austauschprojektes Replace statt. Mit dem EU-geförderten Projekt setzt sich die Bürgerstiftung Energiewende Oberland verstärkt für die Wärmewende ein. Sie möchte Endkunden zum Austausch ihrer alten und ineffizienten Anlagen motivieren und wirbt für energetische Sanierung und Energiesparen. Gleichzeitig spricht das Projekt alle an, die einen Einfluss auf Austausch und Investitionen haben wie Fachkräfte, Investoren und Kommunen.

Zwischen März 2021 und Juni 2022 setzt Energiewende Oberland acht Aktionen zum Heizungstausch um, angefangen von Exkursionen zu guten Praxisbeispielen und Tagen der offenen Heizungstür, wo sich Interessierte vor Ort informieren können. Die Bürgerstiftung unterstützt bei der Planung von Dorfheizungen und berät zukünftige Wärmelieferanten und Kontraktoren. Ein Konzept zur mobilen Wärmeversorgung soll dabei helfen, beim Heizungstausch Zeit zu gewinnen und sich über die verschiedenen nachhaltigen Technologien zu informieren. Ein Heizungs-Rechner, mit dem Fachkräfte und Investoren geplante Heizungstauschprojekte auf CO2-Bilanz und Wirtschaftlichkeit durchrechnen können, soll in der Region verfügbar sein. Und zwei Label-Aktionen sollen das Thema klimafreundliches Heizen sichtbar machen, zum einen als Hinweis auf ineffiziente Heizungen sowie als Schild an Häusern, die zu 100 Prozent mit erneuerbarer Wärme versorgt sind.

Ab März 2021 sind alle Aktionen auf www.waermewende-oberland.de zu finden. Und auch praktische Werkzeuge sind hier zugänglich wie der Rechner zum Heizungstausch, eine Matrix, die auf einen Blick Heizsysteme anzeigt, die sich für das eigene Gebäude eignen, private und kommunale Praxisbeispiele aus der Region, bei denen nachhaltiges Heizen erfolgreich umgesetzt ist, sowie Handbücher für Endkunden, Fachkräfte und Investoren, die einen Überblick über nachhaltige Heizsysteme, Antworten auf häufig gestellte Fragen oder den Anschluss an eine Dorfheizung bieten.

Wer beim Heizungstausch-Projekt dabei sein möchte, kann sich gerne melden:
replace@energiewende-oberland.de, Heike Unterpertinger: Tel 08856 – 80 53 60

Z.B. wenn Sie

  • Wärmelieferant oder Kontraktor werden möchten und Beratung suchen,
  • beim Aufbau einer Dorfheizung Unterstützung benötigen,
  • ein gutes Praxisbeispiel haben und es Interessierten vorstellen möchten,
  • Ideen zur mobilen Wärmeversorgung im Oberland haben,
  • sich als Verband / Organisation / Kommune / Unternehmen an der Kampagne beteiligen oder
  • die Webseite www.waermewende-oberland.de bzw. den Online-Heizungsrechner auf der eigenen Webseite einbinden möchten.