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Energieforum Oberland – Elektromobilität

Stromversorgung, Förderungen und mehr

Energieforum Oberland – Elektromobilität

Elektromobilität gilt als eine der wichtigsten Zukunftstechnologien. Das Energieforum Oberland gab am 23. Mai in der Stadthalle Penzberg Entscheidungshilfen zur Planung, räumte mit klassischen Vorurteilen auf und informierte zu aktuellen Fördermittelausschreibungen von Bund und Land. Zu den hochkarätigen Referenten gehörten Vertreter von Bayernwerk, Bayern Innovativ, NOW-GmbH und Temes Engineering. Die Veranstaltung stieß mit rund 50 Teilnehmer*innen aus Kommunen, Unternehmen, Tourismusbetrieben und anderen Interessierten auf großes Interesse.

Die vier Landkreise im Oberland haben das Ziel, die Energiewende hin zu 100% Erneuerbaren bis 2035 zu realisieren. Welche Rolle die E-Mobilität dabei spielt, erläuterte Stefan Drexlmeier, Leiter der EWO-Geschäftsstelle: „Wir denken Strom, Wärme und Mobilität gemeinsam. Denn wenn wir Mobilität weiter mit fossilen Energieträgern betreiben, haben wir keine Chance, die Energiewende zu schaffen. Das ist nur mit regenerativ erzeugtem Strom möglich, den dann auch E-Fahrzeuge nutzen. Und der soll am besten regional erzeugt sein, das bringt zusätzlich Wertschöpfung in der Region.“

Reicht der Strom? – E-Mobilität aus Sicht des Netzbetreibers

E-Mobilität ist auf dem Vormarsch: 20.000 reine E-Fahrzeuge wurden bereits in diesem Jahr in Deutschland neu angemeldet, Hybridfahrzeuge noch gar nicht eingerechnet. Für einen Netzbetreiber wie das Bayernwerk ist das deshalb wichtig, weil der Ladebedarf aus E-Fahrzeugen nicht zu einer Überlastung des Stromnetzes führen soll. Wie der Netzbetreiber den neuen Mitspieler E-Fahrzeug im Stromnetz aufnimmt, erläuterte Referent Alexander Usselmann: Mit Netzausbau oder aber dem Aufbau intelligenter Ladesysteme im privaten Bereich, wo Anreize wie Strompreis oder Zeittarife dazu verhelfen, dass Verbraucher*innen ihre Fahrzeuge zu unterschiedlichen Zeiten laden. Oder im öffentlichen Bereich mit der Umrüstung von Tankstellen, damit auch zur Urlaubszeit alle gleichzeitig schnell laden können. Reicht also der Strom für alle? Alexander Usselmann vom Bayernwerk macht sich keine Sorgen wegen einem Blackout durch E-Mobilität, weil Netzbetreiber beständig am Ziel einer sicheren Stromversorgung arbeiten. Er freut sich im Gegenteil darauf, in Zukunft leiser und, je nach Stromquelle, sauberer zu fahren.

Mythen zum Fahren mit Strom & Ladesäulen-Förderprogramm Bayern: noch offen bis 28. Juni 2019

Ist E-Mobilität eine vorübergehende Erscheinung? Kostet die Entwicklung Arbeitsplätze und ist elektrisch fahren nicht umweltschädlich? Beim Blick auf verbreitete Meinungen zur E-Mobilität machte Dr. Guido Weißmann deutlich, welch hohen Stellenwert Fahrzeuge und Verbrennungsmotoren für unsere Gesellschaft haben und welche Sorgen deshalb mit dem Thema verbunden sind. In der Gegenüberstellung mit den Fakten hinter den Mythen wurden aber auch die enormen Chancen sichtbar, die sich mit elektrischem Fahren bieten. Zum Beispiel mit dem Hinweis auf die Wachstumsmärkte China und Indien, wo eine Wachstumsquote für E-Fahrzeuge 10% pro Jahr festlegt, d.h. 1 Million E-Neufahrzeuge, bzw. wo ein viertel der Fahrzeuge durch E-Fahrzeuge ersetzt werden soll. E-Mobilität ist kein Mythos, sondern ein Trend der Zeit, bei dem die Chance zur Mitgestaltung besteht, betonte Weißmann. Ein Trend, der Arbeitsplätze umschichten kann, Potential für neue Fahrkonzepte wie autonomes Fahren und damit Möglichkeit zu weiterer Wertschöpfung bietet und auch mit dem aktuellen deutschen Strommix klimafreundlicher als Verbrennungsfahrzeuge ist. Mit dem Bayerischen Förderprogramm für Ladesäulen stellte Weißmann zudem eine Förderung vor, die allen natürlichen und juristischen Personen inklusive Kommunen für öffentlich zugängliche Ladesäule offensteht und die immer mehr Unternehmen, Geschäfte aber auch Hotels oder Restaurants in Bayern nutzen.

Bundes-Förderprogramme – Geld für Klimaschutz

Weil der CO2 Ausstoß in Deutschland zwar sinkt, aber im Bereich Verkehr und hier insbesondere im Straßenverkehr seit 1990 keine Verbesserung stattfindet bzw. der Trend sogar nach oben geht, setzen die Förderprogramme vom Bund dort als größtem Hebel an. Welche Förderung der Bund anbietet, stellte Tilman Wilhelm der NOW GmbH vor, einer Gesellschaft des Bundes, die als Brücke zwischen Klimazielen und der Umsetzung im Alltag wirkt. Im Kern geht es bei den Förderungen darum, erneuerbare Energien in den Straßenverkehr zu bringen. Z.B. über die Förderrichtlinie Elektromobilität vor Ort, die Beschaffung, Forschung und Entwicklung und Konzepte finanziell unterstützt. Die Webseite Starterset E-Mobilität hält für Kommunen und kommunale Akteure entsprechende Leitfäden und Praxisbeispiele bereit. Die Förderrichtlinie Ladeinfrastruktur unterstützt den Aufbau von ca. 15.000 Ladepunkten bis 2020 mit 3 Millionen Euro und die Förderrichtlinie Brennstoffzellenfahrzeuge fördert u.a. die Beschaffung von Bussen und Zügen, die Kommunen oder Landesnahverkehrsgesellschaften einsetzen, den Aufbau von Tankstellen sowie Forschung und Entwicklung.

Entscheidungshilfen zur Planung

Welche Voraussetzungen notwendig sind, um Ladesäulen z.B. in Tourismusbetrieben oder Unternehmen zu installieren, erläuterte Maik Hohmann von Temes Engineering, einem Unternehmen aus Warngau, das dezentrale Energiesysteme realisiert. Die gute Botschaft: Ein normaler 40 Kilowatt Hausanschluss reicht aus, um Ladesäulen zu betreiben und den Anschluss dabei nicht zu überlasten. Beim sogenannten gesteuerten Laden wissen die Fahrzeuge, wieviel sie zu einem bestimmten Zeitpunkt laden dürfen. Investieren Betriebe dazu in Batteriespeicher und eine Photovoltaikanlage, erhalten sie ein flexibles, klimafreundliches und zugleich wirtschaftlich rentables System, wie Hohmann erläuterte. Eine weitere Möglichkeit, E-Mobilität zu fördern, stellte Hohmann mit dem steuerlich begünstigten Mitarbeiter-Laden vor. Hier können Betriebe Ladesäulen installieren, an denen Mitarbeiter*innen während der Arbeitszeit ihre Fahrzeuge wieder auftanken können. Vielleicht sogar E-Fahrzeuge, die das Unternehmen zur Verfügung stellt.