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Über 200 Besucherinnen und Besucher beim International Mountain Day in Schloss Elmau

Podiumsdiskussion zum Klimaschutz mit (vlnr.) Dietmar Müller-Elmau, Prof. Dr. Stefan Emais, Prof. Dr. Karl Gabl, Hubert Mangold, Landrat Anton Speer, Stefan Drexlmeier

Podiumsdiskussion zum Klimaschutz mit (vlnr.) Dietmar Müller-Elmau, Prof. Dr. Stefan Emais, Prof. Dr. Karl Gabl, Hubert Mangold, Landrat Anton Speer, Stefan Drexlmeier

„Mountains Matter“ war das Motto des diesjährigen International Mountain Day, der am 11. Dezember 2018 auch in Schloss Elmau stattfand. Weil „Berge zählen“, verwies der internationale Tag der Berge auch in Elmau auf die Bedeutung der Berge, ihr sensibles Ökosystem und ihre besondere Betroffenheit vom Klimawandel.

Neben Vorträgen zur alpinen Sicherheit in Zeiten des Klimawandels (Prof. Dr. Karl Gabl, Meteorologe und Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit) und zur Veränderung der Alpen, wie sie aus dem Weltraum sichtbar wird (Prof. Dr. Michael Rast, ESA) trafen sich bei einer Podiumsdiskussion Vertreter von Wissenschaft, Politik und Kultur. Übergreifende Themen waren laut Moderator Stefan Drexlmeier von der Energiewende Oberland die Fragen, warum gerade jetzt gehandelt werden muss und was die Menschen genau tun müssen, um eine weitere Klimaerwärmung zu verhindern.

Warum die Alpen besonders vom Klimawandel betroffen sind, erläuterte Prof. Dr. Stefan Emeis vom KIT Garmisch-Partenkirchen. So haben die Pflanzen der Berge wie Fichtenwälder, Matten und Wiesen bei steigenden Temperaturen keine Chance, noch weiter nach oben in kühlere Regionen auszuweichen. Mit dem Schwinden der Gletscher gehen Wasserspeicher verloren, wodurch im Sommer Wasser in den Flüssen fehlt. Auftauender Permafrost führt zu vermehrten Felsstürzen und heftigere Niederschläge zu Murenabgängen, die das Leben in den Ortschaften gefährden. Doch was können wir tun, wenn wir „zum einen Zeitzeugen von Veränderungen sind und gleichzeitig am Hebel sitzen?“, wie Drexlmeier zusammenfasste.

Nachhaltiges Wirtschaften und Bewusstsein

Dass eine intakte Umwelt auch für den Tourismus wichtig ist, machte Dietmar Müller-Elmau, Geschäftsführender Gesellschafter von Schloss Elmau deutlich. Hotels müssten sich zum einen mit ihrem Angebot an Veränderungen anpassen, wenn z.B. weniger Schnee fällt. Aber auch nachhaltiges Wirtschaften ist für Müller-Elmau zentral, wenn er eine Hackschnitzelheizung im Schloss einsetzt oder plant, für einen neuen Pool das Wasser nachts in einen unterirdischen Wärmespeicher zu pumpen, um damit die Hälfte des bisherigen Energieverbrauchs einzusparen. Schließlich seien Veranstaltungen wie der International Mountain Day wichtig. Sie könnten ein Bewusstsein dafür schaffen, wie dramatisch die Situation sei und damit Umwelt- und Klimaschutz zentraler machen für gesetzliche Regelungen und Investitionen.

Gemeinschaftliches Handeln

Mit welchen Maßnahmen der Landkreis Garmisch-Partenkirchen gegen die Klimaerwärmung angeht, erläuterte Landrat Anton Speer. Zu den größten Hebeln zählten für ihn das Klimaschutzkonzept, ein Klimaschutzmanager und die Vernetzung mit Energiewende Oberland. Gleichzeitig betonte Speer, dass Klimaschutz im Kleinen anfängt und freute sich, dass die Veranstaltungen des Klimafrühling Oberland 2018 von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern wahrgenommen wurde. Und nicht zuletzt sollten laut Speer nicht nur wirtschaftliche Interessen, sondern auch gemeinschaftliches Handeln im Vordergrund stehen, um das Klima zu schützen.

Regionalität

Hubert Mangold, Bürgermeister der Gemeinde Schwaigen-Grafenaschau und Vorsitzender des Beirats Energie und Klimaschutz der Zugspitz Region, betonte die Bedeutung von Solidarität. Nach einem verheerenden Murenabgang 2016 und zwei Starkregen im Mai 2018, bei denen 120l in 20 Minuten und wenig später 40l in 12 Minuten vom Himmel rauschten, war die Gemeinde auf die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr des Landkreises angewiesen, die hervorragend funktionierte. Aber weil Mangold nicht nur reagieren, sondern auch agieren will, stellte er in der Diskussion Regionalität wie bei Nahrungsmitteln und Energieerzeugung in den Vordergrund, um Transportwege und damit CO2 einzusparen. Und auch grenzübergreifendes Denken lag ihm z.B. bei der Energieversorgung am Herzen.

Globale Akzente

Prof. Dr. Gabl wies auf lokale Handlungsmöglichkeiten hin wie eine verminderte Versiegelung von Flächen, um Starkregen zu begegnen. Aber besonders auch globale Akzente betonte Gabl, um dem gefährlichen Trend einer Erwärmung zu begegnen. So sollte der Wirtschaft verdeutlicht werden, dass eine Klimaerwärmung viel kostet und dagegen in der Nicht-Erwärmung der Temperatur ein gutes Geschäft liege.

Offen sein für Neues

„Wie wir bisher leben, scheint es nicht weitergehen zu können“, stellte Prof. Dr. Emeis fest und appellierte, offen für Veränderungen und Neues zu sein und im eigenen Wirkungsbereich für den Klimaschutz zu handeln. Global hob er den Ansatz hervor, die deutsche und europäische Wirtschaft so aufzustellen, dass sie in Afrika investiert und Menschen dort eine Chance haben. Für Deutschland stellte er die Vermeidung von CO2 im Verkehrsbereich in den Vordergrund, dessen Ausstoß heute noch höher liege als 1990.

Eagle Wings – Bilder aus Adler-Perspektive

Für ein neues Bewusstsein für die wahren Werte der Natur wirbt auch das Projekt Eagle Wings – Protecting the Alps, dessen Bilder das Programm des Mountain Days Elmau abrundeten. Fotos aus drei Perspektiven zeigen die schwindenden Alpengletscher – aus dem Kamerablick vom Rücken eines Adlers, Fotos aus Menschenperspektive und Bilder aus Satelliten-Kameras im Weltall. Nomi Baumgartl, die kreative Kraft hinter Eagle Wings, möchte Menschen mit ihrem Projekt dazu motivieren, sich aktiv einzubringen und durch eigene positive Erfahrungen offen für die Belange des Natur-, Umwelt-, Klima- und Artenschutzes zu werden. „Wir Menschen müssen uns besinnen, dass Natur nicht nur vor unserer Haustüre stattfindet, sondern dass wir selbst Teil des großen Ganzen sind, das es zu entdecken und für die nächsten Generationen zu bewahren gilt.“, so Nomi Baumgartl.

Wenn Sie das Projekt Eagle Wings unterstützen möchten, besteht die Möglichkeit, ausgewählte Bilder gerahmt und von Nomi Baumgartl persönlich signiert zu bestellen: https://www.eaglewings-project.org/shop/

Veranstalter des International Mountain Day in Elmau waren die Betriebsgesellschaft Umweltforschungsstation Schneefernerhaus, das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen sowie das EagleWings – Protecting The Alps Project von Nomi Baumgartl.

Mehr zum International Mountain Day, der für ein Bewusstsein um die Bedeutung und Verletzlichkeit der Berge in Gesellschaft und Politik eintritt: http://www.un.org/en/events/mountainday/

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