Home

Praxisbeispiel: Klimaschutz Wetter-Haus

Sonne für die Selbstversorger

Foto: Energiewende Oberland, Text: Sophie-Marie Stadler

Foto: Energiewende Oberland, Text: Sophie-Marie Stadler

Gutes Beispiel Klimaschutz Wetter-Haus

Sebastian Wetter ist Umwelt-Pionier: Sein Einfamilienhaus im Waakirchner Ortsteil Schaftlach ist zu 75 Prozent energetisch autark. Ein Spitzenwert, für den er ein komplexes System zur Strom- und Wärmegewinnung aus Sonnenenergie ausgetüftelt hat. Seine Botschaft ist klar: Umweltschonende Energieversorgung ist für jeden möglich – man muss nur wollen.

Auf den ersten Blick ist das System, das Sebastian Wetter zur Energieversorgung für sein Haus entwickelt hat, ziemlich komplex. Mit seiner Frau Franziska und den beiden Kindern bewohnt er ein Einfamilienhaus in Schaftlach. Weil das Haus ein Vollholzhaus mit maximal möglicher Dämmung ist, ist der Energieverbrauch sowieso sehr gering. Hinzu kommen die großen südseitigen Fenster, die viel Sonnenwärme ins Haus lassen. Doch das war dem Ingenieur nicht genug, als er sich 2014 auf die Suche nach einer geeigneten Energieversorgung für seinen Bau machte. „Seitdem hat sich zwar einiges auf dem Markt getan, aber das System wie es jetzt ist habe ich selbst erarbeitet“, berichtet er stolz.

Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach mit Speicher im Keller sorgt für den Strom. Die Wärme, die für die Fußbodenheizung im ganzen Haus und für das Brauchwasser benötigt wird, kann aus verschiedenen Quellen bezogen werden. Zentrales Element ist der Wärmepuffer, in dem die produzierte Wärme gespeichert und an Heizung und Wasser weitergegeben wird. Eingespeist wird Wärme im Haus der Wetters aus drei Quellen: Solarthermie auf dem Dach, eine Wärmepumpe mit Zisterne (Eisspeicher) im Garten und bei Bedarf ein Kachelofen mit Wassertasche im Wohnzimmer.

Mit diesem durchdachten System nutzen die Wetters die Sonnenstrahlen, die auf ihr Haus treffen, gleich auf vielfache Weise: Vakuumröhren (Solarthermie-) und Photovoltaik-Kollektoren auf dem Dach wandeln Sonnenenergie sowohl in Wärme, als auch in Strom um. Entweder speist die Solarthermie direkt den Puffer, oder im Winter die 16 m³ Zisterne, die im Garten vergraben ist und als Wärmequelle für die Wärmepumpe dient. Für die Zisterne hat Wetter einen eigenen Aufbau entwickelt: Fünf Meter tief ist sie ins Erdreich eingegraben, gedämmt und mit einer Folie gegen Regenwasser geschützt. Im Inneren sind zwei je 50 Meter lange Kupferrohre aufgerollt, die als Wärmetauscher funktionieren. Im Winter sorgt die Sonnenenergie aus den Dachkollektoren dafür, dass das Eis um die Kupferrohre wieder abtaut, welches sich aufgrund des Wärmeentzugs durch die Wärmepumpe gebildet hat. Aus all diesen Quellen zusammen deckt Wetter 75 Prozent des Energiebedarfs seiner Familie.

Vieles aus diesem komplexen System hat Wetter selbst entwickelt. Nicht nur, um Kosten zu sparen. Denn dass diese Form der Energieversorgung in der Anschaffung zunächst aufwändiger und kostenintensiver ist als fossile Brennstoffe, ist offensichtlich. „Aber einfach einen Öltank in den Keller stellen und abwarten, was die Ölproduzenten in den nächsten Jahren machen, kommt für mich nicht in Frage“, stellt der Ingenieur fest. Sein Interesse an einer alternativen Energieversorgung hat schon sein Vater geweckt, der selbst gerne getüftelt hat. Später hat er Energie- und Versorgungstechnik studiert und mit Kältemaschinen gearbeitet. Und weil Kältemaschinen eigentlich nur umgedrehte Wärmepumpen seien, sei er auf dieses Modell für sein Haus gekommen. Er habe sich auch andere Lösungen angeschaut, sagt er, doch: „Luftwärmepumpen sind Schwachsinn in unserer Region und für eine Tiefenbohrung ist das Grundwasser zu tief bei uns.“

Stattdessen hat sich Wetter die Sonnenenergie zu Eigen gemacht und damit genutzt, was sowieso schon an Energie da ist. Mit großen, südseitigen Fenstern, Solarthermie und Photovoltaik richtete er sich nach dem vorhandenen Energieangebot an der Stelle seines Hauses.

Mit seinem Energieplan ist er sehr zufrieden, obwohl er zu Beginn einige Skeptiker, auch in der Familie, überzeugen musste. Sein Plan ist aufgegangen. Nur ein paar Kleinigkeiten hat er im Nachhinein verändert, zum Beispiel einen Sonnenschutz für die großen Fenster nachgerüstet. Auch seine Frau ist begeistert von seiner Arbeit und versucht wenn möglich die eigens produzierte Energie zu nutzen: „Wenn's geht schalten wir die Spülmaschine erst am Vormittag an, wenn die Sonne scheint und wir eigene Energie zur Verfügung haben, und nicht noch am Abend“, sagt Wetter. Energie wird dann genutzt, wenn sie vorhanden ist. Mit solchen minimalen Veränderungen hat er es geschafft, sich und seine Familie fast unabhängig von Energiekonzernen zu machen – „und das ist ein sehr gutes Gefühl.“

Vollständige Autarkie vom Netz sei derzeit noch nicht möglich, zumindest in unseren Breitengraden, sagt Wetter. Deshalb akzeptiere er auch Kritik, dass er trotz seines Aufwandes ja trotzdem noch ein bisschen auf Energieversorger angewiesen ist. Allerdings: „Dreiviertel vom Jahr reicht uns nur die Sonne.“ Vielleicht baut er in ein paar Jahren noch ein kleines Windrad auf sein Dach. Dann wäre er zu geschätzt 95 Prozent autark. Doch momentan genießt er das Familienleben in seinem Sonnen-versorgten Haus. „Ich wollte zeigen, dass eine klimafreundliche Energieversorgung für jeden machbar ist, wenn der Wille da ist, und man dazu keine fossilen Brennstoffe braucht.“ Und das ist ihm gelungen.